Academy     F-4B  Phantom II     1:48

US Navy  VF-111 "Sundowners"

USS Coral Sea, Vietnam

12. Nov. 1971  -  17. Juli 1972


Historisches

Die F-4 Phantom II (ursprünglich noch F4H-1 bezeichnet) hatte ihren Erstflug am 27. Mai 1958 und wurde von 1958 bis 1981 in veschiedenen Versionen 5.195 mal gebaut. Ursprünglich rein als Luftüberlegenheitsjäger für die US Navy geplant, wurde ihr potenzial auch schnell als Jagdbomber und Aufklärer erkannt (später auch in der SEAD-Rolle).

Die F-4B stellt die erste wirkliche Serienversion dar und wurde von 1961-1966 insgesamt 649 mal gebaut. Sie erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 2.414 km/h bei 26 Tonnen maximaler Startmasse und konnte dabei über sechs Tonnen an Waffen laden (diese Werte sind für die damalige Zeit schon beeindruckend).

 

Wie die meisten Flugzeuge dieser Zeit hatte sie keine Bordkanone (F-4B bis D), da man damals davon ausging, dass jeglicher Luftkampf nur noch mit Raketen auf größerer Entfernung stattfindet. Aus diesem Grund hatte sie ein starkes Radar, kraftvolle Triebwerke und eine große Reichweite, bei gleichzeitig hoher Waffenlast. Das Ganze ging auf Kosten einer hohen Masse und geringeren Wendigkeit, welches aber eine untergeordnetere Rolle spielte, da man ja eh nicht mehr von Kurvenkämpfen (Dogfight) ausging. Diese Einschätzung stellte sich im Vietnam-Konflikt (Zweiter Indochina-Krieg) als schwerer Fehler heraus. Aufgrund einer Vorgabe der US-Streitkräfte (Rules of Engagement), im Luftkampf alle Ziele visuell als Feind zu identifizieren, um Eigenbeschuss zu vermeiden (Friendly Fire), mussten die Gegner dementsprechend nahe rankommen. Nicht selten brachte das die Phantom-Besatzungen in prekäre Situationen und der anfängliche Vorteil des starken Radars in Verbindung mit gelenkten Raketen ging vollends verloren. Hier konnten die Mig-17 und Mig-21 der Nord-Vietnamesen, mit ihrer starken Kanonenbewaffnung und hohen Wendigkeit, ihre volle Stärke ausspielen. Dieser Umstand wurde erst ab 1967 mit Einführung der F-4E und einer internen 20mm-Gatling-Maschinenkanone etwas abgemildert.

Falsche Einsatztaktiken der Amerikaner zogen sich aber durch die komplette Dauer des Konfliktes und begünstigten die hohen Abschussquoten der Armee Nord-Vietnams (auch von anderen US-Flugzeugmustern). Die USA verloren im Vietnamkrieg insgesamt 525 F-4 Phantom durch Feindeinwirkung (die meisten jedoch hauptsächlich durch Beschuss vom Boden aus).

 

Das US Navy Geschwader VF-111 "Sundowners" operierte mit der F-4B Phantom II auf dem Flugzeugträger USS Coral Sea vom 12. November 1971 bis zum 17. Juli 1972 im Golf von Tonkin (Yankee-Station, 145 km vor der vietnamesischen Küste). Als Teil der Task Force 77 flog es Luftschläge gegen Nord-Vietnam. Am 6. März 1972 konnte das Geschwader einen Luftsieg für sich verbuchen, indem eine Mig-17 nahe dem Flugplatz Quang Lang in Nord-Vietnam abgeschossen wurde (F-4B Bu.No.153019, Pilot Lt. Garry Weigand & RIO (Radar Intercept Officer) Lt. (jg) Bill Freckleton).

 

Ab dem 30. März 1972 überschlugen sich die Ereignisse in Vietnam mit der Oster-Offensive der Streitkräfte Nord-Vietnams, welche mit 30.000 Soldaten über die Demilitarisierte Zone (DMZ) Richtung Süden vordrangen (ab dem 5. April / 12. April auch von Kambodscha / Laos aus kommend mit mehreren 10.000 Soldaten). Aufgrund des schon länger andauernden Abzuges der US-Truppen, befanden sich nur noch ca.10.000 US-Soldaten und 76 Flugzeuge im Land. Der Angriff traf die US- und südvietnamesischen Streitkräfte völlig unvorbereitet und die anfängliche Reaktion/Lage kann als chaotisch bezeichnet werden (der Kommandant der US-Truppen und der US-Botschafter waren zu der Zeit außer Landes). Zu Beginn der Offensive konnten nur zwei von vier Flugzeugträgern Operationen durchführen, um Truppen am Boden durch Luftschläge zu unterstützen (USS Coral Sea und USS Hancock). Um einen völligen Zusammenbruch der südvietnamesischen Armee zu verhindern (die Gefahr überrannt zu werden war durchaus gegeben), ordnete US-Präsident Richard M. Nixon ab dem 4. April 1972 eine massive Ausweitung der Kampfhandlungen an und setzte zwei Tage später alle US-Streitkräfte auf Marine- und Luftwaffenbasen weltweit in Alarmbereitschaft. Dabei wurde unter anderem der Flugzeugträger-Bestand vor Vietnam innerhalb kürzester Zeit von vier auf sechs erhöht, sodass immer mindestens von vier Trägern gleichzeitig Einsätze geflogen werden konnten (Vorbereitung zu "Operation Linebacker").

 

Die Oster-Offensive vom März 1972 war der Beginn der letzten großen Eskalation des Vietnam-Krieges und mündete in den schwersten Bombenangriffen der USA seit Ende des Zweiten Weltkrieges ("Operation Linebacker II", Dezember 1972).

 

 

Chronologie der gebauten Maschine:

 

F-4B-26-MC Phantom II  /  Baunummer: 153019

  • 1966:   Auslieferung an US Navy
  • 1966-68:   US Navy VF-213 "Black Lions" als NH-110
  • 20.12.1966:   Abschuss einer An-2 über Nord-Vietnam
  • 1969-71:   US Navy VF-121 "Pacemaker"
  • 1971-72:   US Navy VF-111 "Sundowners" als NL-201
  • 06.03.1972:   Abschuss einer Mig-17 über Nord-Vietnam
  • 1974-75:   US Marines VMFA-531 "Grey Ghosts"
  • 1976:   Kampfwertsteigerung zu F-4N
  • 1977-84:   US Navy VF-201 "Hunters" als AF-106
  • 1984:   US Navy VF-171 "Aces"
  • 24.02.1984:   Außerdienststellung in NAS (Naval Air Station) Oceana, Virginia
  • zur Zeit ausgestellt in NAS Key West, Florida

 

Bombenabwurf über Vietnam, 25. November 1971 // Foto: US Navy
Bombenabwurf über Vietnam, 25. November 1971 // Foto: US Navy
Vorbereitung für Katapultstart, Golf von Tonkin 1971/72  //  Foto: Richard Tobin, US Navy
Vorbereitung für Katapultstart, Golf von Tonkin 1971/72 // Foto: Richard Tobin, US Navy
Katapultstart, Golf von Tonkin 1971/72  //  Foto: US Navy
Katapultstart, Golf von Tonkin 1971/72 // Foto: US Navy

Der Bausatz

Die Bausatzform stammt von 2012 und wurde seitdem immer wieder in verschiedenen Versionen auf den Markt geworfen. In einem sehr stabilen Stülpkarton befinden sich sauber eingetütet 14 Gussrahmen. Es fällt sehr schnell auf, dass relativ viele Bauteile im Slide-Mold-Verfahren hergestellt wurden, welches die Anzahl doch erheblich verringert und viel Spachtel- und Schleifarbeit erspart (Rumpfschale, Schubdüsenbereich, Höhen- und Seitenleitwerk). Leider ist die Oberfläche der Teile ziemlich rau (ärgerlich aber normal bei den meisten neueren Bausätzen). Da keine Metall-Lackierung geplant ist, stellt dies aber weniger ein Problem dar. Ansonsten weisen die Bauteile feine Oberflächendetails und Gravuren auf, inklusive Nieten und versenkten Blechstößen (für meinen Geschmack könnten sie teilweise etwas stärker/scharfkantiger ausgeprägt sein).

Der Bausatz wird von Academy als "Multi-Color-Kit" angepriesen, um für Modellbauanfänger einen schnellen "Bastelerfolg" auch ohne Bemalung zu gewährleisten. Für die "normalen" Modellbauer, welche ihre Modelle auch bemalen, ist dieser Umstand doch eher hinderlich.

 

Die Klarsichtteile verdienen ihren Namen und sind von hervorragender Qualität. Leider weisen sie eine produktionsbedingte Mittelnaht auf, welche durch Schleifen und Polieren entfernt werden muss (ist bei vielen Bausätzen/Herstellern so, daher nicht wirklich ein Kritikpunkt).

Der ausgezeichnete Decalbogen kommt von Cartograf und ist über jeden Zweifel erhaben. Für das Cockpit liegen leider keine Decals bei, was an dieser Stelle dann Mikro-Bemalung nötig macht, aber aufgrund der guten Cockpitstrukturen kein Problem darstellen sollte.

Das ganze Paket wird durch zwei sitzende und einen stehenden Piloten abgerundet.    


Der Bau

Das Schöne an den Flugzeugen und Geschwadern der US-Streitkräfte ist die gute öffentlich zugängliche Dokumentation (Fotos, Chronologie der Einsatzfahrten, etc.). Bei der Recherchearbeit bin ich auf einen Hinweis gestoßen, dass die im Bausatz vorgeschlagene Bemalung nicht von einer F-4B, sondern einer F-4N stammt. Dem wollte ich nachgehen und kam, nach Begutachtung vieler Bilder aus dem Zeitraum, auf das gleiche Ergebnis. Das Flugzeug mit der Bu.No.151000 wurde 1974/75 relativ häufig fotografiert. Die Bilder sind auch meistens richtig mit F-4N betitelt und auch die typische ECM-Antenne am linken Lufteinlauf ist oft zu sehen. Kurioserweise ist die Maschine aber einige Zeit ohne diese so typische F-4N Antenne geflogen (auf einigen Bildern deutlich zu erkennen), welches wahrscheinlich zu der Verwirrung beigetragen hat.

 

Da ich eine F-4B der "Sundowners" von 1971/72 darstellen wollte, welche in Vietnam im Einsatz war, besorgte ich mir den hervorragenden Decalbogen von Furball-Decals "F-4B / Bravo Mig Killers Part Two".

Der Bauanleitung ist ein Beladungsblatt beigelegt, an welcher Stelle welche Bewaffnung angebracht werden kann. Dieses sollte nur als kleine Hilfe benutzt werden, da eine realistische Beladung für den Flugzeugträger-Einsatz bei keiner der vorgeschlagenen Varianten wirklich gegeben ist (das Flugzeug wird einfach zu schwer). Die äußeren Treibstoffbehälter wurden z.B. bei der US-Navy selten benutzt (eher USAF). Des Weiteren war das Katapult der USS Coral Sea leistungstechnisch relativ schwach, welches wiederum das maximale Startgewicht weiter einschränkte. Ich entschied mich daher nur den Center-Tank, 2x AIM-9D Sidewinder und 4x Mk.82 Freifall-Bomben zu benutzen (mit Fotos so historisch auch belegt).

Als Erstes befreie ich immer alle Großbauteile von den Gussästen und versäubere sie, um einen groben Eindruck der Passgenauigkeit zu erhalten (Rumpf, Tragflächen). Es ist auch immer vorteilhaft, solche Teile für schnelle Trockenpassungen zwischendurch griffbereit zu haben.

 

Die obere Rumpfschale muss ziemlich aufwendig versäubert werden, da aufgrund der Slide-Mold-Technik viel Grat entstanden ist (kompletter Rumpfbereich vom Cockpit bis zum Seitenleitwerk). Hier sollte man sich Zeit nehmen und vorsichtig arbeiten, um nicht wichtige Details am Rumpf zu zerstören. An dieser Stelle empfiehlt es sich auch, schon eine Trockenpassung von Cockpithauben und Rumpf durchzuführen, da bei mir eine regelrechte Stufe angegossen war, welche durch abwechselndes Schleifen und Trockenpassungen vorsichtig entfernt werden musste (sieht auf den ersten Blick so aus, als gehörte sie dort hin, dem ist aber nicht so).

 

Grundsätzlich kann ich jetzt schon nach wenigen Baustunden behaupten, dass bei diesem Bausatz eine regelmäßige Trockenpassung der Bauteile absolute Pflicht ist, da nichts so wirklich gut auf Anhieb passen möchte (bin vielleicht noch ein bisschen verwöhnt vom letzten Mig-21 Eduard-Bausatz). Auch fallen gerade an Kleinteilen immer wieder Auswerfermarkierungen an ungünstigen Stellen auf (da erwartet man von einem Bausatz in der 50 Euro-Klasse eigentlich mehr).

Da ich einmal alle größeren Bauteile in der Hand hatte, entschloss ich mich jetzt schon die Öffnungen für die Sparrow-Raketen am Rumpf zu verschließen (wollte keine großen Löcher dort haben). Hierfür eignet sich Plastiksheet oder einfach gezogener Gussast am besten (ich nutzte Rundmaterial von Evergreen). Beim späteren Lackieren wird die Öffnung einfach in Schwarz bemalt, um eine leichte Tiefenwirkung zu erzielen.

Relativ früh baute ich schon die Fahrwerksschächte zusammen (hier zeigte sich ausnahmsweise mal eine gute Passgenauigkeit). Da alle Seitenwände aus Einzelteilen bestehen, ist hier auf eine korrekte winklige Ausrichtung zu achten, um später keine bösen Überraschungen zu erleben (die späteren Sitze in den Rumpfteilen können hier gut als Hilfe benutzt werden).

Dem Bugfahrwerksschacht hätten ein paar angegossene Leitungen gut getan, da er normalerweise voll davon ist.

Was mir bei der Bauplanung unangenehm aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass das Hauptfahrwerk schon vor dem Zusammenbau der Tragflächen, fix und fertig installiert werden soll (da es regelrecht im Fahrwerksschacht verkeilt wird, ist es auch wirklich nicht anders möglich).

Mich persönlich stört das Fahrwerk beim späteren "Handling" und Lackieren ungemein, daher wollte ich unbedingt an dieser Stelle Abhilfe schaffen. Es zeigte sich schnell, dass nur eine kleine Veränderung an dem Sitz des Fahrwerkes, das spätere Montieren ohne Probleme ermöglicht.  

Im Cockpit gab es direkt die nächste Baustelle. Irgendwie passten die Piloten so gar nicht in den Schleudersitz (es sah einfach komisch aus). Es hat einige Zeit gedauert, um dahinter zu kommen, woran das lag. Nach längerer Recherche fiel mir auf, dass der Sitz verkehrt ist und damit auch die Sitzposition der Piloten. Es fehlte ein entscheidendes Sitzpolster in der Rückenlehne, welches ich mit 1,5mm Plastik-Sheet dann einfach nachbaute. Nach einer weiteren Anpassung der Piloten mit der Feile, passte dann am Schluss auch alles (der Auslösegriff des Schleudersitzes befindet sich hinter dem Pilotenhelm und nicht darüber). 

Nicht schlecht staunte ich auch bei den Lufteinläufen der Triebwerke. Sie sind wirklich übersät mit Auswerfermarkierungen. Spätestens hier kommt man am Spachteln nicht vorbei. An dieser Stelle erwies sich Nagelkleber als äußerst praktisch. Er ist eigentlich nichts anderes als ganz normaler Sekundenkleber. Der Unterschied besteht nur in einer etwas dickeren Konsistenz und eines integrierten Pinsels im Deckel zum Auftragen. Das Spachteln dauert damit nur Minuten und der Kleber schrumpft beim Aushärten kaum ein. Schon nach kürzester Zeit ist der bearbeitete Bereich ganz normal schleifbar.

Nun konnte die Bemalung des Cockpits beginnen. Da der Kunststoff in unterschiedlichen Farbtönen vorliegt, ist eine einheitliche Grundierung zwingend notwendig, um erst einmal alles farblich anzugleichen (Gunze H451, Kalkweiß matt). Ich persönlich grundiere immer alle Bauteile in Weiß (außer bei Metall-Lackierungen), wobei andere Modellbauer sie grundsätzlich in Schwarz halten (möglich ist beides und beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile).

Jetzt wurden die großen Flächen erst einmal grob in Grundfarbe bemalt. Da der Lichteinfall im Cockpit generell sehr schwach ist, sollte man bei der Bemalung mit starken Kontrasten arbeiten, um Details nicht unter einem "Einheitsbrei" verschwinden zu lassen. Aus demselben Grund empfiehlt es sich, den Farbton ein paar Nuancen heller zu wählen als im Original, um oben erwähnten Effekt zu kompensieren.

Die gut strukturierte Bordwand des Co-Piloten (WSO = Waffen-System-Offizier) wurde nun leicht trockengemalt, um erste Tiefeneffekte zu erzeugen (später kam noch ein Washing dazu). Anschließend ging es immer mehr ins Detail. Hier wird nicht vom Hellen ins Dunkle gearbeitet, sondern von großen Flächen zu immer kleineren Details. Um stärkere Kontraste zu erzeugen, ist auch ein punktuelles Grundieren in Weiß zwischendurch möglich, um auf dunklen Untergründen kräftigerere Farben zu erhalten.

Die Instrumentenbretter/-konsolen wurden auf dieselbe Art und Weise bemalt. Hier sollte man unbedingt Original-Fotos zu Hilfe nehmen (Internet). Für die kleinsten Details war ein Zahnstocher als "Pinselersatz" sehr nützlich. Auch kamen diverse Stifte zum Einsatz (Faber Castel PITT Artist Pen, Edding 3000, Aquarell-Stifte). Zum imitieren von Glas, kam auf jedes Instrument ein Tropfen glänzender Klarlack.

Auch die beiden Piloten erhielten dieselbe Aufmerksamkeit wie der Rest des Cockpits (Grundierung in Weiß, Hauptfarben, Trockenbemalung zur Betonung erhabener Strukturen, Detailbemalung, glänzender Klarlack mit anschließendem Washing in dunklem Grau, matter Klarlack als Finish). Die filigranen Streifen auf dem Pilotenhelm wurden mit Zeichentusche von Faber Castel bemalt (PITT Artist Pen). Etwas glänzender Klarlack auf dem Visier der Helme imitiert das Glas.

Nun konnte es an die Montage des Rumpfes gehen. Die im Bauplan angegebene Reihenfolge ist in meinen Augen nicht nur unpraktisch, sondern führt unweigerlich in größere Passungenauigkeiten mit anschließendem Spachteln (plus einer Menge Frust).

Daher wurde zuerst das Cockpit in die obere Rumpfschale eingeklebt. Dabei wich ich schon sehr früh vom Bauplan ab und behandelte den Bugfahrwerkschacht separat von der Cockpitschale, d.h. der Schacht wird anfangs nicht mit der Schale zusammengeklebt (siehe Bilder weiter oben).

Des Weiteren ist es wichtig zu prüfen (Trockenpassung), in welcher Reihenfolge welches Teil im Cockpit festgeklebt werden muss, um es noch sauber in die obere Rumpfschale einbauen zu können (die mittlere Strebe der Schale stört hier erheblich). Auch passten bei mir die Piloten nicht mehr durch die obere Öffnung, wie im Bauplan eigentlich vorgesehen (der linke Arm verhindert das).

Die hintere Rumpfunterschale wurde jetzt soweit nach Bauplan vorbereitet. Sehr wichtig ist es, die oberen Tragflächenteile noch nicht zu montieren, da es sonst zu Passungsproblemen mit der Rumpfoberschale und den Triebwerkseinläufen kommen wird.

Des Weiteren sollten auf keinen Fall die Schubdüsen jetzt schon eingebaut werden, da es das Lackieren ungemein erschwert und sie auch ohne Probleme am Schluss installiert werden können (warum Academy sie jetzt schon einbauen möchte, bleibt mir ein Rätsel).

Jetzt konnte das Rumpfoberteil mit dem hinteren Rumpfunterteil verbunden werden. Die Passgenauigkeit war an dieser Stelle in Ordnung, d.h. es musste nur ein wenig durch Schleifen korrigiert werden, um eine saubere Passung zu erhalten.

Ganz anders verlief die Montage des vorderen Rumpfunterteils. Bei der Trockenpassung zeigte sich ein ziemlich großer Spalt zwischen vorderen und hinteren Rumpfunterteil. Hier erwies sich das Trennen des Bugfahrwerkschachtes vom Cockpit als großer Vorteil. Jetzt konnte nämlich unter anderem der Fahrwerkschacht gezielt bearbeitet werden, um saubere Übergänge zu erhalten. Trotz allem musste das vordere Rumpfunterteil in drei Schritten verklebt werden, da es noch immer irgendwie verzogen war (vorne rechts, vorne links, hinten). Nach jedem Schritt sollte hier unbedingt gewartet werden, bis der Kleber vollständig ausgehärtet ist, damit die unter Spannung stehenden Klebestellen nicht wieder aufreißen.

Die Nase und die Heckteile passten nach kurzer Anpassung mit der Feile wieder hervorragend. Zur Sicherheit kamen noch 10gr. Blei in die Nase, um einen Tailsitter definitiv auszuschließen.

Spätestens bei der Montage der Lufteinläufe bewegt sich der Bausatz auf "Short-Run Niveau". Hier passt wirklich gar nichts mehr (weder Maßen noch Winkel). Größtes Problem in meinen Augen stellen die Streben der Lufteinläufe an der oberen Rumpfschale dar. Der Sitz ist so stramm, dass ich schon bei der Trockenpassung Probleme hatte, die Lufteinläufe ohne alle anderen angebauten Teile aufzustecken. Hier gibt es eigentlich nur zwei Lösungen. Entweder man trägt die komplette Strebe etwas ab, sodass sie nicht mehr in den Einlauf eingreift oder man vergrößert die Nut am Einlauf (beide Varianten sind mit Risiken verbunden, dass zu viel Material entfernt wird). Ich entschied mich für das Vergrößern der Nut mittels Handfräser. Zusätzlich musste an allen möglichen Stellen gefeilt werden, um eine annähernd gute Passgenauigkeit zu erzielen.

Die oberen Tragflächensegmente passten dann aufgrund der geänderten Baureihenfolge wieder perfekt.

Auch die restlichen Bauteile (Tragflächenenden, Ruder und Seitenleitwerk) zeichneten sich durch gute Passgenauigkeit aus. Nur die Antennen unten am Rumpf haben deutliche Sinkstellen, welche gespachtelt und verschliffen werden sollten.

Eine kleine Änderung nahm ich noch am HUD (Head-Up-Display) im Cockpit vor, indem ich das Bausatzteil (viel zu dick), durch ein selbst hergestelltes austauschte (transparentes Plastiksheet aus alten Verpackungen).

Bei der Montage der Cockpitverglasung gab es aufgrund der gründlichen Trockenpassungen keine Überraschungen mehr. Es empfiehlt sich aber trotzdem, die Verglasung von hinten nach vorne aufzubauen, um Spalten möglichst zu vermeiden und eine korrekte Flucht mit dem Rumpf zu gewährleisten.

Den Rückspiegel des Co-Piloten auf der Cockpithaube (Teil G9) hatten übrigens nicht alle F-4B´s (auf vielen Fotos deutlich zu erkennen). Bei meiner Bemalungsvariante gab es diesen Spiegel nicht, daher ließ ich ihn weg.

Das Abkleben der Cockpitscheiben gelang sehr gut mittels Flüssigmaskierung (Mr Hobby - Mr Masking Sol R), aufgetragen mit einem Zahnstocher. Selbst sehr komplizierte Konturen lassen sich damit millimetergenau abdecken.

Danach konnte auch schon die Verglasung in Cockpit-Innenfarbe lackiert werden.

Jetzt widmete ich mich zuerst der aufwendigen Metall-Lackierung im Heck. Dieses Vorgehen soll vermeiden, dass sich trotz des umfangreichen Abklebens, kleinste Metallpartikel auf der fertigen Lackierung absetzen können (musste bei diesem Thema schon "Lehrgeld bezahlen").

Wie bei allen Metall-Lackierungen üblich, sollte die Fläche erst einmal in Schwarz grundiert werden (dadurch wird der Metalleffekt intensiver).

Anschließend kommt die eigentliche Metallgrundfarbe auf das Modell. Nun kann man gezielt einzelne Bereiche abdunkeln bzw. aufhellen, mittels hochverdünnten Schwarz oder Weiß (unbedingt Vorbildfotos zu Hilfe nehmen).

Bei den Feldern hinter den Triebwerkdüsen entschied ich mich für eine andere Methode. Hier wurde erst in Weiß grundiert, dann Schwarzgrau unregelmäßig lasierend aufgetragen und zum Schluss eine kleine dezente Rußfahne mit stark verdünnten Rußschwarz und Lichtgrau erstellt.

Bis auf Weiteres schloss ich die Lackierarbeit mit einer dünnen Schicht matten Klarlack ab (schützt die Lackierung vor Schäden durch das längere Abkleben).

Nach dem sauberen Abkleben der schon lackierten Bereiche, wurde das Modell grob in Weiß vorgrundiert.

Jetzt wurde ein leichtes "Overhead Light Pre-Shading" in Kombination mit einem "Modulated Pre-Shading" aufgetragen (teilweise auch farblich im unteren hinteren Triebwerkbereich). Es sollte deutlich dezenter ausfallen, als das eigentliche Pre-Shading der Blechstöße und Nietenreihen. Gerade bei einfarbigen Modellen belebt es die Flächen ungemein und bringt etwas Abwechslung in die sonst monotone Lackierung. Bei einer solchen Schattierung ist genaue Planung und umfangreiches Bildmaterial von Einsatzmaschinen unerlässlich, da der Effekt bei falscher Anwendung schnell ins Gegenteil umschlagen kann.

Nun wurde das eigentliche Pre-Shading der Blechstöße und Nietenreihen in einem kräftigen Schwarz aufgetragen. Danach musste ich noch mal ein paar Flächen dezent nachschattieren, um wieder ein homogenes Gesamtbild zu erhalten (einige Effekte gingen etwas verloren). Das komplette Pre-Shading lässt sich jederzeit durch das Übernebeln mit stark verdünnter Grundfarbe etwas abschwächen (hier in Weiß).

Jetzt wurde die Grundfarbe leicht lasierend aufgetragen (Gunze H316 und H325). Auch hier musste ich ein paarmal nachkorrigieren, bis das Ergebnis gefiel. Bei einfarbigen Modellen ist es nicht einfach, eine interessante Lackierung zu gestalten und der Grat von langweilig bis übertrieben ist oft ziemlich schmal. Abschließend wurden kleinere Details mit dem Pinsel bemalt, wobei ich beim Seitenleitwerk wartete, um später die Bemalung mit den Decals abzustimmen.

Nach dem Auftragen einer dünnen Schicht glänzenden Klarlack, wurden die Decals aufgebracht. Hier sollte mit Weichmacher überlegt vorgegangen werden, da die Decals teils relativ heftig darauf reagieren (ich benutzte mildes Revell Decal Soft). Grundsätzlich benötigt es schon etwas Erfahrung und Geduld, um sie sauber auszurichten (z.B. Haifisch-Maul, Seitenleitwerk, rotes Fensterband). Standardmäßig abgeschlossen wurde der Arbeitsschritt mit einer dünnen Schicht glänzenden Klarlack (Tamiya). 

Jetzt habe ich gezielt ein paar leichte und mittlere Verschmutzungen auf der Unterseite mittels Vallejo Model Wash aufgetragen (diverse Grau- und Brauntöne). Anschließend wurde mithilfe von puren Vallejo Airbrush Thinner etwas verblendet, bis das Ergebnis gefiel. Bei diesem Arbeitsschritt ist es unerlässlich, gutes Bildmaterial von Einsatzmaschinen zur Hand zu haben.

Nach einer dünnen Schicht glänzenden Klarlack (Tamiya), trug ich ein kräftiges Panel Line Wash mit schwarzen Vallejo Model Wash auf. Beim Entfernen der überschüssigen Farbe mithilfe von puren Vallejo Airbrush Thinner und (sehr vieler) Wattestäbchen, wurde auch gleichzeitig die immer noch stark homogen wirkende Oberfläche weiter gezielt verschmutzt bzw. abgetönt. Eine satte Schicht matter Klarlack (Gunze) versiegelte endgültig die gesamte Lackierarbeit. 

Nun widmete ich mich den Kleinteilen. Hier ergänzte ich am Bugfahrwerk noch die fehlende Hydraulikleitung mit Blumendraht. Bei den Hauptfahrwerksbeinen sollte man sich zweimal überlegen, ob man dort Bremsleitungen montiert, da der Platz dort wirklich sehr beengt ist. 

Die separat lackierten Anbauteile erhielten dieselbe Aufmerksamkeit wie der Rumpf (öfters sogar mehr). Da diese Teile im eingebauten Zustand meistens stark ins Auge fallen (Waffen, Räder, Pylonen, Zusatztanks, Schubdüsen usw.), ist es wichtig, sich hier wirklich die nötige Zeit zu nehmen. Schnell kann mit schlecht lackierten Raketen oder Fahrwerken der Gesamteindruck des Modells ruiniert werden.

Leider fiel mir erst spät auf, dass die gelben Streifen-Decals der Bomben völlig unbrauchbar sind, da der Radius überhaupt nicht stimmt.

Am Schluss gab es nochmal eine böse Überraschung. Die Bugfahrwerksklappen und die äußeren Hauptfahrwerksklappen gingen, bei fertig montierten Fahrwerk, nicht mehr hinein. Hier hat sich Academy irgendwie völlig vertan, da ich bezweifel, dass das Fahrwerk noch normal zu installieren geht, wenn sie vorher verbaut werden (der Platz ist viel zu eng). Es empfiehlt sich daher, dass Fahrwerk vorher zu montieren und die Klappen danach dementsprechend anzupassen, bis alles korrekt sitzt.


Fazit

Es macht stark den Eindruck, dass Academy an manchen Stellen, mehr Wert auf wenige Bauteile und das "Nicht-Lackieren" gelegt hat, als auf vernünftige Baubarkeit und Passgenauigkeit. Des Weiteren ist es schon nervig mit den unterschiedlichen Plastikfarbtönen, da es unnötige Mehrarbeit bedeutet, erst einmal alles farblich anzugleichen. Daher kann ich den Bausatz nur erfahreneren Modellbauern empfehlen, da er doch einige "Stolpersteine" beinhaltet.

Ist das Modell aber erst einmal fertig, kann man sich eine toll detaillierte Phantom in die Vitrine stellen.


November, 2020