Aktuelles Projekt

Revell     Bf 109 G-10     1:32

Jagdgeschwader 52

Kommandeur I.Gruppe, Hauptmann Erich Hartmann

Tschechoslowakei, April 1945


Historisches

Die Bf 109 hatte ihren Erstflug im Mai 1935 und ist, mit über 33.000 hergestellten Maschinen, das zweithäufigste gebaute Militärflugzeug der Geschichte (nur übertroffen von der Iljuschin Il-2). Fälschlicherweise wird sie oft als Me 109 bezeichnet, was historisch nicht korrekt ist, da die Bf 109 bei den Bayerischen Flugzeugwerken entworfen wurde und sich diese Bezeichnung, nach der Umfirmierung in Messerschmitt AG im Jahr 1938, nicht mehr änderte.

 

Bei der Konstruktion der Bf 109 wurde versucht, den größtmöglichen 12-Zylinder-V-Motor in den kleinstmöglichen Rumpf unterzubringen, was ihr eine sehr schlanke Form verlieh (Widerstandsreduzierung). Des Weiteren wurde sie in Modulbauweise gefertigt, die eine schnelle Montage/Demontage und Reparatur der einzelnen Komponenten erlaubte. Da sie per Eisenbahn transportierbar sein sollte, fiel die Spurweite des Fahrwerkes relativ gering aus und führte später zu vielen Start- und Landeunfällen. Alliierte Piloten, welche die Bf 109 probeflogen, bezeichneten das Cockpit als sehr eng und unbequem. Außerdem kritisierten sie die schlechte Sicht aus dem Cockpit, aufgrund der vielen Streben und der stark eingeschränkten Sicht nach hinten.

 

Gerade in der Anfangsphase des Krieges war die Bf 109 eines der leistungsstärksten Flugzeuge. Bis Anfang 1944 konnte auch ihre weitere Entwicklung, mehr oder weniger mit den Mustern der Gegner Schritt halten. Danach übertrafen die Flugleistungen der alliierten Flugzeuge, die der hauptsächlich eingesetzten Bf 109 G-6 teilweise bei Weitem, vor allem aufgrund des Mangels von Hochleistungsmotoren. Zudem waren erfahrene Piloten immer seltener geworden und der hastig ausgebildete Nachwuchs, tat sich schwer mit der anspruchsvollen Bf 109. Dementsprechend nahm die Lebenserwartung der Piloten immer weiter ab.

Mit keinem anderen Flugzeugmuster der Luftfahrtgeschichte wurden mehr Abschüsse erzielt als mit der Bf 109. Hauptfaktoren waren, dass sie ein gut durchkonstruiertes Flugzeug war, zu Beginn des Russlandfeldzuges die Gegner hauptsächlich veraltete Maschinen flogen und die im späteren Verlauf des Krieges hohe Anzahl an Feindflugzeugen, welche auch nicht selten von unerfahrenen Piloten geflogen wurden.

 

Die Bf 109 G-10 gehört, mit der kurz danach folgenden Bf 109 K-4, zu der letzten in nennenswerten Stückzahlen produzierten Version. Von ihr wurden ab Spätsommer 1944 etwa 2.000 Stück gebaut. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 685 km/h war sie die schnellste G-Variante. Neuerungen waren unter anderem, die nun ab Werk eingebaute Erla-Vollsicht-Cockpithaube, die breiteren Hauptfahrwerksräder, ein längeres Heckrad und das vergrößerte hölzerne Seitenleitwerk. Die Hauptbewaffnung änderte sich nicht und bestand weiterhin aus einer 20mm Motorkanone, welche durch die Propellernabe schoss und zwei 13mm Maschinengewehren über dem Motor.

 

Die I.Gruppe des Jagdgeschwaders 52 operierte vom 5. April - 18. April 1945 von Raudnitz aus und vom 19. April bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 von Deutschbrod und Altkemnitz. Aufgrund von Treibstoff- und Ersatzteilemangel wurden Einsätze aber nur noch spärlich geflogen.

 

Erich Hartmann (Spitzname "Bubi") errang bei 1.404 Einsätzen (davon 825 mit Luftkämpfen) insgesamt 352 Abschüsse (hauptsächlich Ostfront) und ist damit der erfolgreichste Jagdpilot der Luftfahrtgeschichte. Bei der Roten Armee war er als "der schwarze Teufel" bekannt, aufgrund des schwarz gezackten Musters an der Spitze seiner Flugzeuge.

Bf 109 G-10 der Messerschmitt Stiftung // Foto: Kogo // Copyright: GFDL
Bf 109 G-10 der Messerschmitt Stiftung // Foto: Kogo // Copyright: GFDL

Der Bausatz

Die Bausatzform stammt von 2013 und wurde ein Jahr später, mit abgeänderten Teilen für die Bf 109 G-10, nochmals auf den Markt gebracht. Die Bauteile sind sauber gespritzt und machen einen guten Eindruck. Alle Gravuren sind ausreichend scharf und deutlich wiedergegeben, während man Nietendarstellungen größtenteils vergebens sucht (finde ich persönlich sehr schade). Die Oberfläche ist, wie bei den meisten neueren Bausatzformen, leicht rau. Ganz leichte Sinkstellen befinden sich auf den oberen Tragflächenbeulen, dürften aber schnell verspachtelt sein. Da alle Klappen ausgelenkt positioniert werden können, verspricht das viel "Dynamik" am fertigen Modell. Positiv aufgefallen ist mir das schöne Cockpit, welches unter anderem mit angegossenen Sitzgurten punkten kann.

 

Bei den Klarsichtteilen hat Revell dieses Mal absolute Spitzenklasse abgeliefert und sie verdienen auch wirklich ihren Namen. Sehr gut gefällt mir auch der leichte Übergang der Frontscheibe zum Rumpf, welcher das Risiko verringert, dass Kleber die Klarsichtteile beschädigt.

 

Die Decals fallen etwas enttäuschend aus, da sie extrem matt gedruckt wurden. Diese immer häufiger auftretende schlechte Angewohnheit von Revell, hat schon für viel Unmut bei Modellbauern gesorgt. Des Weiteren habe ich einen leichten Versatz von Gelb in Weiß festgestellt und die kleinen Wartungshinweise sind etwas verwaschen. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Decals sind brauchbar, könnten aber deutlich besser sein (von meinen letzten Cartograf-Decals sind sie Welten entfernt).

 

Der Bauplan ist wie gewohnt sehr ausführlich und sauber gegliedert und erlaubt den Bau von zwei leicht unterschiedlichen Versionen der Bf 109 G-10. Hervorzuheben ist hier die attraktive Bemalungsvariante von Erich Hartmann.


Der Bau

Schon beim Kauf war mir klar, dass ich auf jeden Fall die Maschine von Erich Hartmann bauen werde. Da ich immer auf der Suche nach einer kleinen Hintergrund-Geschichte zu dem Original meiner Modelle bin, fällt diese Variante genau in mein Beuteschema. Ich denke kaum eine Bf 109 ist so bekannt, wie die schwarz gezackte (schwarze Tulpe) von Hartmann.

 

Wie immer, befasste ich mich anfangs mit der Einsatzgeschichte und historischen Fotos. Leider habe ich keine Aufnahme von Erich Hartmann´s Bf 109 G-10 gefunden, auf derer die Lackierung oder andere wichtige Details zu erkennen sind (geschweige denn in Farbe). Daher musste ich mich an den Angaben von Revell und anderen Modellbau-Herstellern orientieren, um eine ungefähre Richtung zu bekommen, wo die Reise hingeht. Schnell fiel auf, dass die Lackierung überall etwas anders wiedergegeben wurde (auch vom Farbton). Hier eine Entscheidung zu treffen war nicht einfach und kostete viel Zeit, da von diesen Unterschieden auch Räder, Fahrwerkschacht, Cockpithaube usw. betroffen waren.

 

Ein weiteres Thema war der Zusatztank unter dem Rumpf. Aufgrund meiner Recherche halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass in den letzten Wochen des Krieges noch mit ihm geflogen wurde. Zu dieser Zeit herrschte schon akuter Treibstoff- und Ersatzteilemangel (aus Einsatzmeldungen des JG52 an das Oberkommando der Luftwaffe vom April 1945 deutlich zu entnehmen). Des Weiteren war das Jagdgeschwader 52 nahe der Front stationiert. Da die Einsatzreichweite der Bf 109 G-10 ohne Zusatztank bei über 400km liegt, war das mehr wie ausreichend für das damalige Operationsgebiet (gemeldete Abschüsse lassen Rückschluss auf das Gebiet zu). Erschwerend kommt hinzu, dass zur Reichweitenerhöhung nur etwa 1/3 des Zusatztreibstoffes wirklich effektiv nutzbar sind, da der größte Teil wegen des höheren Startgewichtes und Luftwiderstandes "ungenutzt" verbrannt wird. Aufgrund dieser Fakten entschied ich mich, auf den Zusatztank zu verzichten.

 

Wie in der Bausatzbesprechung erwähnt, ist das Cockpit schon aus dem Karton schön detailliert (bei geschlossener Kanzel völlig ausreichend). Da ich aber ein Flugzeug mit geöffneter Cockpithaube darstellen möchte, besorgte ich mir noch Fotoätzteile von Eduard, um diesen Bereich weiter aufzuwerten.

Begonnen haben die Bastelarbeiten dieses Mal mit einer Handfräse, mit deren Hilfe ich alle durch die Fotoätzteile unnötig gewordenen Details an den Cockpit-Bauteilen entfernte. Dabei wurden auch gleich die Abgaskrümmer-Öffnungen aufgefräst. Oft sind es nur kleine Arbeiten, welche das Gesamtbild eines fertigen Modells deutlich verbessern. Das Aufbohren von Lufthutzen, Kanonen und Abgasrohren gehört auf jeden Fall dazu.

Nun wurden alle Fotoätzteile, welche mitlackiert werden sollen, in das Cockpit mittels Cyanacrylat-Klebstoff (Sekundenkleber) angebracht. Dabei habe ich auch gleich zwei Passstifte an das Cockpithauben-Scharnier eingesetzt, um der Haube im offenen Zustand einen besseren Halt zu geben (Draht mit einem Durchmesser von 0,45mm). Bevor die Lackierarbeiten beginnen konnten, habe ich noch mit allen separat lackierten Bauteilen eine Trockenpassung durchgeführt, um später keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. Hier zeigte sich eine hervorragende Passgenauigkeit und Korrekturen waren nicht notwendig (Daumen hoch für Revell).  

Die Bemalung des Cockpits erfolgte nach dem üblichen Schema (genauere Infos zur Cockpitbemalung siehe Baubericht "Academy F-4B" in 1:48).

 

Der Reihenfolge nach:

 

  1. Grundierung in Weiß  (Airbrush)
  2. Hauptfarbe Gunze H416  (Airbrush)
  3. einzelne großflächige Aufhellungen mit stark verdünnten Gunze H417  (Airbrush)
  4. Aufhellung erhabener Strukturen mit aufgehellten Revell 77  (Pinsel)
  5. Detailbemalung  (Pinsel)
  6. gezielte einzelne Konturierung mit schwarzer Zeichentusche  (Stifte oder Pinsel)
  7. dünne Schicht glänzender Klarlack  (Airbrush)
  8. Konturierung mit "Vallejo Model Wash" in Schwarz  (Pinsel)
  9. dünne Schicht matter Klarlack  (Airbrush)
  10. Konturierung / Aufhellung der Kanten mit Aquarell-Stiften
  11. Anbringung der restlichen Fotoätzteile
  12. dünne Schicht matter Klarlack  (Airbrush)

 

Zum Schluss wurde noch ein Tropfen "Revell Contacta Clear" auf jedes Instrument aufgetragen, um das Glas zu imitieren.

Nach dem Einbau des Cockpits in den Rumpf bekam ich einen kleinen Schreck, da das Ergebnis nicht so ausfiel, wie von mir erwartet. Es zeigten sich größere Spalten zwischen Rumpf und Cockpit. Außerdem passte die Cockpithaube auf einmal nicht mehr an die Metallstifte (der Platz wurde durch den Zusammenbau enger). Da ich immer noch etwas verunsichert war, ob die Haube beim späteren Spannen der Funkantenne überhaupt halten würde, entschied ich mich kurzerhand das Cockpit geschlossen zu bauen. Zum Glück liegen dem Bausatz zwei Cockpithauben bei, somit hatte ich gleich geeigneten Ersatz parat (in der eigentlich vorgesehenen Haube waren schon die Bohrungen für die Haltestifte).

Bei der oberen Motorabdeckung mit den Maschinengewehr-Öffnungen führte ich eine kleine Änderung durch (Bauteil Nr.51). Da ich die MG´s erst nach der Lackierung einbauen möchte, schloss ich das Innere mit Plastik-Sheet, da sie sonst beim späteren Einbau unwiederbringlich in das Modell fallen könnten.

Im Allgemeinen ist die Passgenauigkeit aller Bauteile sehr gut und stellt auch den ungeübten Modellbauer vor keine großen Herausforderungen. Trotzdem sollte man immer eine kurze Trockenpassung aller Bauteile durchführen, da an einigen Stellen Löcher zu klein sind oder komplett fehlen (Antenne auf Cockpithaube, Höhenruder, Spornrad usw.). Auch die Hauptfahrwerksbeine mussten für den korrekten Sitz etwas mit der Feile angepasst werden. Des Weiteren sollte man sich beim Zusammensetzen der Tragflächen etwas Zeit nehmen, da sie doch recht verschachtelt konstruiert sind.

Nach dem Abdecken der Klarsichtteile mit Flüssig-Maskierung ("Mr.Hobby Mr.Masking Sol R" aufgetragen mit einem Zahnstocher), wurden die Fensterstreben in Cockpit-Innenfarbe lackiert (Gunze H416). Anschließend wurde das komplette Modell in Weiß grundiert, um den richtigen Untergrund für die Hauptlackierung zu schaffen (Gunze H451).

Nun trug ich mit mattem Schwarz ein grobes Pre-Shading auf alle Blechstöße, Nietenreihen und Kanten auf (Gunze H12). Auf der Unterseite wurde zusätzlich ein Erdbraun verwendet, um schon leichte Verschmutzungs-Akzente zu setzen (Gunze H72). Grundsätzlich kommt es beim Pre-Shading nicht sonderlich auf Sauberkeit an, da später jeder Fehler durch die Hauptlackierung retuschiert werden kann. Deshalb ist diese Technik der Schattierung auch sehr gut für Airbrush-Neulinge geeignet.

Jetzt zeichnete ich mit einem hellgrauen Aquarell-Stift ganz leicht die Ränder der Tarnung vor. Da nach dem Pre-Shading nur noch lasierend lackiert wird (leicht transparent), dürfen hierfür keine dunklen Farbtöne benutzt werden (ein Bleistift wäre hier die schlechtere Wahl).

 

Begonnen habe ich die Lackierarbeit mit Dunkelgrün (Gunze H423 - RLM83), gefolgt von dem Dunkelgrau (Gunze H68 - RLM74). Schnell stellte ich fest, dass Kontraste und Farbübergänge kaum wahrnehmbar waren, da die Farben auf dem Modell viel zu dunkel wirkten. Hier hat der Scale-Effect voll zugeschlagen, obwohl ich vorher alles in Weiß grundiert hatte.

Um die Lackierung etwas aufzuhellen und die Kontraste mehr zu betonen, trug ich mit sehr stark verdünnter Farbe Lichter (Highlights) in der Mitte der Bleche auf (Innengrün - Gunze H58 und Dunkelgrau - Gunze H82). Ganz wichtig ist hier, dass die Farbe extrem verdünnt wird (ca. 2-5 % Farbe) und man sehr behutsam arbeitet (schnell sind die Aufhellungen zu stark und es muss mit Grundfarbe verblendet werden).

Das Arbeiten mit so stark verdünnter Farbe benötigt etwas Übung / Erfahrung mit der Airbrush und sollte eventuell beim ersten Mal an einem Probestück trainiert werden.

Als letzte Hauptfarbe trug ich das Lichtblau (Gunze H417 - RLM76) auf. Auch diese Farbe fiel deutlich dunkler aus, harmoniert aber zum Glück sehr gut mit dem aufgehellten Dunkelgrau und Dunkelgrün, weshalb ich dort auf die Lichter verzichtete.

Etwas ungewöhnlicher ist für eine Flugzeuglackierung, dass der Cockpitfenster-Rahmen einen eigenen Farbton erhält (ich denke dieser Umstand war produktionsbedingt, konnte es aber bis jetzt nicht näher verifizieren). Aus diesem Grund klebte ich mit Masking-Tape und etwas Kopierpapier die Cockpithaube ab. Dieser Arbeitsschritt ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit relativ wenig Maskierband, große Flächen des Modells abdeckt (alternativ kann auch Adhäsionsfolie (Frischhaltefolie) benutzt werden).

 

Nun wurde die Bf 109 Cockpit-Interieur-Farbe Schwarzgrau (Gunze H416 / RLM66) auf die Fensterstreben aufgetragen. Der Lohn für das ordentliche Abkleben, sind saubere Farbkanten und keinerlei Farbnebel auf der fertigen Lackierung.

Als letztes kamen die Farbflecken auf das Modell. Hier wurde Dunkelgrün (Gunze H423 - RLM83) und Dunkelgrau (Gunze H68 - RLM74) stark verdünnt aufgetragen (ca. 10 % Farbe / 0,5 - 0,7 bar Druck). Dabei werden die Flecken langsam von innen nach außen aufgebaut. Der Sprühstrahl wandert dabei immer wieder zur Mitte, um den Farbauftrag mittig höher zu halten, als an den Rändern.

 

Ich musste hier sehr stark improvisieren, da die Lackiervorgaben von Revell und anderen Herstellern mich nicht wirklich überzeugten. Auch historische Fotos konnten mir hier nicht weiterhelfen (bei allen Flugzeugen sahen die Flecken damals etwas anders aus und Bilder der Original-Maschine hatte ich nicht). Aus diesen Gründen ist das Ergebnis bestenfalls mittelmäßig geraten und sollte nicht als Vorlage dienen (für mich war diese Lackierung übrigens auch "Premiere").

Fortsetzung Folgt...