Aktuelles Projekt

Eduard      Mig-21R "Fishbed-H"     1:48

Cuban Revolutionary Air and Air Defense Force, 80er-90er

National Aviation Museum Havana, Cuba


Historisches

Die Mig-21 ist ein in der Sowjetunion entwickelter einstrahliger Abfangjäger. Sie hatte ihren Erstflug am 14. Juni 1956 und ist mit über 10.000 gebauten Exemplaren das meistgebaute Überschallflugzeug der Welt. Die leichte und kompakte Bauweise macht sie sehr schnell und wendig (Schub-Gewichts-Verhältnis fast 1:1). Das Konzept sieht vor, die Flugzeuge vom Boden aus an die Ziele zu geleiten, daher kann auf eine leistungsstarke interne Radartechnik verzichtet werden (Gewichtsersparnis). Da dies eine gute bodengestützte Radarabdeckung voraussetzt, ist die Mig-21 zur Verteidigung über eigenem Territorium hin konzipiert, weshalb die Reichweite eine untergeordnete Rolle spielt (weniger Treibstoff = weniger Gewicht = mehr Leistung). Die Mig-21R (NATO-Codename: Fishbed-H) stellt eine Aufklärungsvariante ohne Bordkanone dar. Sie ist die erste Version der dritten "Fishbed-Generation" und wurde von 1965 bis 1971 produziert. Des Weiteren war sie die erste Mig-21 mit vier Außenlast-Stationen unter den Tragflächen, welches bei allen folgenden Varianten übernommen wurde. Die kubanische Luftwaffe bekam ab 1968 zwölf Mig-21R geliefert. Flugzeug Nr.111 stand, bis zur Schließung des Museums im August 2010, im Museo del Aire in Havanna, Kuba.


Der Bausatz

Die Bausatzform stammt von 2011 (Mig-21MF) und wurde seitdem immer wieder mit abgeänderten Teilen (versch. Varianten der Mig-21) oder unterschiedlichem Zubehör auf den Markt gebracht. Grundsätzlich stellt der Eduard-Kit den besten derzeit erhältlichen Mig-21 Bausatz in 1/48 dar. Die Weekend-Edition ist die "Low-Budget"-Version des Profi-Packs. Einziger Unterschied besteht im Fehlen der Fotoätzteile und der Maskierfolie (alle Spritzgussteile sind sonst gleich). Oft ist auch der Decalbogen stark verkleinert. Bei der Mig-21R Weekend-Edition fehlen z.B. alle Stencils vom Flugzeug (nur für die Waffen liegen welche bei). Zum Glück wurde diese Praxis mit den fehlenden Stencils nicht bei allen Weekend-Editions angewendet. Da ein Stencil-Decalbogen auf dem Aftermarket mit ca. 6-8 Euro zu Buche schlägt, sollte man hier schon genau abwägen, ob sich nicht gleich der Kauf vom Profi-Pack lohnt (etwa 10 Euro Mehrkosten). 

 

Jetzt zum eigentlichen Inhalt der Box. Alle Teile sind sehr sauber gespritzt mit scharfen Gravuren und Details. Auch sollte man das "Weekend-Edition" nicht wörtlich nehmen, da schon einige Teile verbaut werden wollen (an einem Wochenende ist das bestimmt nicht gemacht). Um Produktionskosten zu sparen, hat Eduard an vielen Gussästen auch Teile anderer Versionen untergebracht, daher werden sehr viele Bauteile nicht benötigt (gilt vor allem für die Waffen). Die Klarsichtteile haben leider teils ziemlich starke Schlieren (das sollte heutzutage eigentlich besser gehen). Der übersichtliche Decalbogen macht einen sehr guten Eindruck und ist sauber im Farbregister gedruckt. Die Bauanleitung ist vorbildlich und lässt eigentlich keine Fragen offen. Lobenswert ist die Beigabe von Super-Fabric Gurten. Diese sind schon fertig koloriert und müssen nur noch auf den Sitz geklebt werden (hier können sich einige Hersteller noch eine Scheibe abschneiden).


Der Bau

Die Recherche-Arbeit war bei diesem Bausatz etwas umfangreicher als sonst. Hatte ich doch sage und schreibe ganze zwei Fotos (auch noch in Schwarz-Weiß) einer Mig-21R der kubanischen Luftwaffe im aktiven Dienst zur Verfügung. Interessant war, dass auf beiden Fotos keine Zusatztanks installiert sind, was normalerweise bei der Mig-21 seltener zu sehen ist. Eduard gibt die Standard-Beladung der kubanischen Version mit zwei Zusatztanks und zwei Luft-Luft Raketen (R-3S / NATO: AA-2A "Atoll") plus Aufklärungsbehälter Typ-D an, welches ich stark infrage stelle (außer evtl. für den Kampfeinsatz im Angola-Krieg). Bei einem Land das chronisch unter Treibstoffmangel leidet, macht es für mich durchaus Sinn, ohne Zusatztanks zu fliegen (generell sind nur 1/3 des Zusatztreibstoffes effektiv nutzbar zur Reichweitenerhöhung; 2/3 werden verbrannt wegen des zusätzlichen Gewichts / höheren Luftwiderstandes usw.). Letzten Endes entschied ich mich, nur den Aufklärungsbehälter als Beladung zu nutzen, was ja so auch auf den Bildern dokumentiert ist. Für Nahaufnahmen musste leider der Museums-Flieger in Havanna herhalten, welches immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist (in Museen wird oft viel "rumgepinselt", da ein "vor sich hinrostender Metallhaufen" bei den Besuchern eher schlechter ankommt).

Da dem Bausatz keine Stencils für das Flugzeug beiliegen, besorgte ich mir noch als einziges Aftermarket-Produkt den Stencil-Bogen von Begemot-Decals.

Jetzt konnte es endlich an die Montage der ersten Module gehen. Interessant ist, dass zwei Teile im Cockpit einfach mit dem Namen "plastic" angegeben werden. Hier muss man sich aus Plastik-Sheet eigene Cockpitwände erstellen (ich nutzte 0,4mm Evergreen). Der Hintergrund des ganzen Umstandes, liegt an der Optimierung des Bausatzes für die Profi-Edition, welcher Fotoätzteile als Cockpitwände beiliegen hat. Generell ist das Cockpit sehr verschachtelt und man muss schon sehr aufmerksam sein, um nicht versehentlich Teile an die falsche Position zu kleben (Bauplan genau studieren).

Auch die restlichen Module (Schleudersitz, Schubdüse, Fahrwerksschacht, Einlasskonus) bereitete ich für die Lackierung vor. Beim Schleudersitz ergänzte ich noch die Auslösegriffe mit Draht. Die Passgenauigkeit ist überall als spitzenmäßig zu bezeichnen. Auch ist die Detaillierung der Komponenten so gut, dass Aftermarket-Produkte hier eigentlich überflüssig sind (jedenfalls bei geschlossener Kanzel). Laut Fachpresse möchte Eduard in Zukunft die Anzahl der Teile ihrer neuen Bausätze generell reduzieren, was bei der verschachtelten Bauweise ein sehr guter Ansatz ist (der Schleudersitz allein besteht schon aus 23 Teilen).

Zuerst wurden alle Teile mit der Airbrush in der Grundfarbe lackiert. Größere Farbflächen wurden anschließend mit dem Pinsel bemalt. Nach einer Schicht Glanz-Klarlack (Acryl-Harz-Lack von Tamiya), wurden alle Details mit einem schwarzen Washing (Vallejo Model Wash) grob akzentuiert. Übermalungen und Flächen wurden nach dem Trocknen, mit in purem Verdünner getränkten Wattestäbchen, gereinigt (Vallejo Airbrush Thinner). Jetzt wurden Aufhellungen und Details mit dem Pinsel bemalt. Danach wurden die wenigen Decals aufgebracht. Im Cockpit sollten die Decals unbedingt passgenau ausgeschnitten werden, um böse Überraschungen zu vermeiden (überstehender Trägerrand). Die Super-Fabric Gurte ließen sich gut mit einem Skalpell vom Papier lösen und wurden mit einem winzigen Tropfen Sekundenkleber (Zahnstocher zu Hilfe nehmen) am Sitz befestigt (Eduard rät dringend von Sekundenkleber ab, da das Material der Gurte darauf reagiert). Am Schluss wurde alles mit einer Schicht Matt-Klarlack versiegelt. Die Decals am Schleudersitz stammen übrigens aus der Reste-Kiste und sind im Bausatz nicht enthalten.

Nun konnten alle fertiggestellten Module in den Rumpf integriert werden. Dies tat ich schrittweise mit ständigen Trockenpassungen zwischendurch, um Überraschungen bei der späteren Passung der beiden Rumpfhälften zu vermeiden. Hier wich ich etwas vom Bauplan ab und installierte die beiden Rumpfspanten und das Instrumentenbrett erst nach dem Zusammensetzen der Rumpfhälften (ohne Weiteres möglich und auch zu empfehlen). Ganz wichtig ist das Ausgleichsgewicht im Bug (bei mir 20g Blei), um sich nicht einen Tailsitter zu "kreieren". 

Die weitere Montage ging dann leicht von der Hand und aufgrund der guten Passgenauigkeit, kam es zu keinen größeren Problemen. Da besonders viele Details in der Nähe der Klebestellen vorhanden sind, empfiehlt es sich in erster Linie dünnflüssigen Plastikkleber zu benutzen (z.B. Tamiya Extra Thin Cement). Dabei wird das Bauteil einfach an die gewünschte Position gehalten (evtl. etwas dickflüssigen Plastikkleber zur ersten Fixierung punktuell auftragen) und anschließend der dünnflüssige Kleber in die Fuge laufen gelassen. Nach kurzer Einwirkzeit kann man das Bauteil noch etwas anpressen, um etwaige Spalten vollständig zu schließen. Das Spachteln und Schleifen entfällt damit vollständig und die Details bleiben wunderbar erhalten (die ganze Methode funktioniert nur bei sehr guten Passungen).

Im Hauptfahrwerksschacht gab es noch zwei produktionsbedingte Auswerfermarkierungen zu entfernen, welches mit kurzem Schleifen schnell erledigt war. Des Weiteren sollten die vielen Lufthutzen am Rumpf aufgebohrt werden, um den optischen Gesamteindruck weiter zu verbessern.

Jetzt konnte es an das Lackieren gehen. Nach dem Maskieren der Cockpithaube mit Masking-Tape und Flüssig-Maskiermittel (Mr.Masking Sol), wurde sie in der Cockpit-Innenfarbe lackiert. 

Da bei Metallfarben die Partikel relativ weit fliegen, entschied ich mich, die Schubdüse jetzt schon von außen komplett fertig zu lackieren. Hierzu wurde zuerst eine Grundierung in Schwarz und anschließend der Metallfarbton aufgetragen. Danach wurden die Blechstöße zum Heck hin mit Rußfarbe leicht schattiert. Zum Schluss wurde die fertige Lackierung mit einer Schicht Klarlack versiegelt.

Nach dem sauberen Abkleben der fertiglackierten Schubdüse, wurde das Modell vollständig in Weiß grundiert. Dies stellte sich als ungewohnt schwierig heraus, da Eduard einen relativ dunklen Plastikfarbton verwendet. Nach der Grundierung wurde ein Pre-Shading auf alle Blechstöße, Nietenreihen und Konturen aufgetragen.

Fortsetzung folgt...