Modellbau-Fachbegriffe

Decal (Nassschiebebild)

Ein Decal, ist ein auf Trägerpapier gedrucktes Bild oder Motiv. Der Decalbogen, wie wir ihn aus dem Bausatz kennen, besteht aus dem Trägerpapier, der Kleberschicht und dem Druck. Gelöst wird der Druck vom Trägerpapier mittels Feuchtigkeit, welche die Kleberschicht aktiviert.

Zur Anwendung kommen Decals bei Miniaturbeschriftungen und aufwendigen Motiven, da es zu kompliziert wäre, sie zu lackieren.


Stencil

Stencil kommt aus dem Englischen und bedeutet "Schablone". Im Modellbau sind damit die vielen kleinen Warn- und Wartungshinweise gemeint. Sie sind für den Gesamteindruck des fertigen Modells nicht unerheblich und liegen meist in Form von Nassschiebebildern (Decals) dem Bausatz bei. 


"Silbern" bei Decals  (Silvering)

Dieser Effekt tritt auf, wenn beim Anbringen des Decals auf der Modelloberfläche, mikroskopisch kleine Luftbläschen zwischen dem Decal und der Modelloberfläche eingeschlossen werden und dort verbleiben (aufgrund der rauen Oberfläche des Lackes). Nach dem Klarlackauftrag, erscheint dann der transparente Trägerfilm des Decals "silbrig". Das Silvering stellt einen Baufehler dar und lässt sich im Nachhinein nicht mehr beheben. (Für weitere Infos siehe auch Rubrik "Decals ohne Silbern")


Fotoätzteile  (Photo-Etched Parts - PE)

Fotoätzteile sind dünne Metallbauteile, welche bei der Herstellung mittels Chemikalien, aus einem dünnen Metallblech herausgeätzt werden. Hochwertige Fotoätzteile sind zusätzlich noch graviert und/oder farblich bedruckt. Zur Anwendung kommen sie an Bereichen, bei denen das Bauteil zu dünn oder zu aufwendig wäre, um es aus Kunststoff zu fertigen (Gurte, Leitbleche).   


Kunstharz-Teile (Resin-Parts)

Resin kommt aus dem Englischen und bedeutet "Harz". Im Modellbau sind damit Zwei-Komponenten-Kunstharze gemeint, welche in Formen gegossen werden und nach wenigen Minuten aushärten. Sie werden oft zur Kleinserien-Herstellung und für komplizierte Formen aus einem Guss verwendet. Des Weiteren lassen sie mehr Details an den Bauteilen zu, aufgrund der niedrigeren Viskosität beim Gießen. Deshalb wird Resin gerne für hochdetaillierte Bauteile genutzt (Cockpit, Figuren, Fahrwerke, Schubdüsen), welche aus Polystyrol-Kunststoff so nicht möglich sind.

Nachteilig ist, dass Resin-Teile oft aufwendig versäubert und/oder verspachtelt werden müssen, da manchmal beim Gießen kleine Luftbläschen im Material eingeschlossen werden (ist völlig normal und stellt keinen Mangel dar).

 

Nun zum Thema Gesundheit. Es gibt ein schönes Sprichwort das besagt: "Alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosis an!". Dieses trifft sehr gut auf Resin zu. Grundsätzlich kann Resin fast alles sein, da es nur einen Oberbegriff darstellt. Wir wissen also nie genau, welchen Stoff wir eigentlich vor uns haben. Normalerweise ist Resin im festen Zustand ungefährlich (es sei denn, man kaut darauf rum). Bei der Bearbeitung mit Werkzeugen sieht der Sachverhalt schon anders aus.

Beim Schleifen muss unbedingt eine Staubmaske getragen werden, da Resin-Staub besonders lungengängig sein soll (Nassschleifen ist daher zu bevorzugen). Wichtig ist auch die gründliche Reinigung des Arbeitsplatzes nach dem Schleifen (am besten gar nicht erst in der Wohnung Resin-Bauteile schleifen). Genaue Informationen darüber, warum besonders Resin-Staub so gefährlich sein soll für die Lungen, konnte ich trotz langer Recherche nicht finden. Ich habe aber schon Warnhinweise darüber von Herstellern und in Fachzeitschriften gelesen, deshalb wird was dran sein. Wer Resin unbedingt selber gießen möchte, sollte dies grundsätzlich nur an sehr gut belüfteten Orten (am besten im Freien) und mit richtigem Atemschutz (Filter, welche auch Aerosole herausfiltern, z.B. Lackiermaske) durchführen, da die Dämpfe wirklich sehr schädlich sind (diese Information habe ich von einem Chemiker).

 

Ich möchte Resin auf keinen Fall "verteufeln" und ich glaube jeder Modellbauer ist froh darüber, dass wir so viel Auswahl an tollen Bauteilen auf dem Zubehör-Markt haben, welches mit der herkömmlichen Spritzgusstechnik, in diesem Umfang und zu diesem Preis, nicht möglich wäre. Trotzdem sollte ein gewisser Grundschutz eingehalten werden, da kein Hobby auf der Welt wichtiger sein kann, als die eigene Gesundheit!


Slide-Mold-Parts

Slide-Mold-Parts sind im Modellbau aufwendig gespritzte Polystyrol-Kunststoff-Teile hoher Qualitätsstufe. Oft werden mit dieser Spritzguss-Technik vollständig fertige Teile aus einem Guss hergestellt (Raketen, Räder, ganze Rümpfe). Diese Methode ist mit höheren Produktionskosten verbunden und daher oft nur bei höherwertigeren Bausätzen zu finden.

Ein großer Vorteil für den Modellbauer ist dabei, dass aufwendige Schleif- und Spachtelarbeiten entfallen und somit auch keine Details am Bauteil verloren gehen können. Auch kann sich die Anzahl der Teile im Bausatz durch diese Technik erheblich reduzieren und einen schnelleren Baufortschritt gewährleisten.


"Out of Box"

Dies bezeichnet lediglich, dass ein Modell komplett ohne Zurüstteile erstellt wurde (Decals, Fotoätzteile, Resinteile etc., welche separat gekauft wurden). Alle verbauten Teile sind also in dem Bausatz enthalten (das Modell wurde "aus der Schachtel" gebaut).


Multimedia-Kit

Multimedia-Kit bedeutet, dass nicht alle Bauteile in einem Bausatz aus dem selben Material bestehen. Er enthält, neben den üblichen Polystyrol-Kunststoff-Teilen, auch welche aus Kunstharz (Resin) und/oder Metall. In diesem Zusammenhang wird bei diesen Teilen auch gerne von Multimedia-Elementen gesprochen. Meistens sind diese Bausätze eher an erfahrenere Modellbauer gerichtet, aufgrund der erforderlichen Kenntnisse und der umfangreicheren Werkzeuge, welche für den Zusammenbau benötigt werden.  


Short-Run-Kit

Grundsätzlich bedeutet das erst einmal, dass der Bausatz in geringerer Stückzahl gefertigt wurde, da meistens der ausgewählte Typ auf dem Modellbau-Markt nicht so gefragt ist (den Tiger-Panzer oder die F-16 wird es wohl eher nicht als Short-Run-Kit geben). Dieser Umstand resultiert oft in einen weniger detaillierten und/oder qualitativ schlechteren Bausatz (viel "Fischhaut", keine Pass-Stifte, schlechtere Passung der Bauteile). Hier werden oft Spritzguss-Werkzeugformen minderer Qualität eingesetzt, um die Kosten im Rahmen zu halten (die Herstellung der Bausatzformen verschlingt mit Abstand die meisten Produktionskosten am gesamten Bausatz). Auch werden häufiger Teile aus Kunstharz (Resin) gefertigt, da dort die Herstellungs-Werkzeuge weniger aufwendig sind.  

Short-Run-Kits sind trotz allem eine große Bereicherung für die Modellbauwelt, da Bausätze angeboten werden, die nur in der Massenfertigung so nicht existieren würden (Experimental-Flugzeuge, seltene Varianten). Sie benötigen aber auch einige Vorkenntnisse beim Bauen und sind eher etwas für erfahrene Modellbauer.


Kitbashing

Kitbashing bezeichnet man das Bauen von Modellen aus Teilen mehrerer Bausätze. Grund dafür ist häufig, dass der Bausatz in der gewünschten Form nicht existiert oder schwere Fehler aufweist, welche mit den Teilen anderer Bausätze korrigiert werden sollen.


Tailsitter

Als "Tailsitter" bezeichnet man ein Modell, welches aufgrund verkehrter Schwerpunktlage, mit dem Heck aufliegt (zu wenig Gewicht in der Nase, Schwerpunkt hinter den Hauptfahrwerks-Rädern). Dies ist ein schwerer Baufehler und lässt sich im Nachhinein sehr schwer korrigieren (evtl. Magnete in das Bugfahrwerksrad installieren, wenn Grundplatte vorhanden).


Trockenpassung

Bei jedem Bauteil sollte man, vor dem Bemalen und/oder Verkleben, eine Trockenpassung durchführen. Hierbei werden die Teile ohne Klebstoff zusammengehalten und überprüft, ob sie sauber passen. Dies soll schon frühzeitig Probleme aufdecken und rechtzeitige Gegenmaßnahmen ermöglichen.


Weathering  (Verwitterung)

Vom Weathering spricht man im Modellbau, wenn ein Modell verschmutzt und/oder gealtert wird (mit Farben, Pigmenten etc.). Das Ziel davon ist es, das Modell gebraucht aussehen zu lassen (als wäre es schon mehrere Jahre im Dienst). Dies kann in Form von Schmutzablagerungen und abgeplatztem oder ausgeblichenem Lack geschehen (Rost bei Panzern und Schiffen). Das Weathering sollte grundsätzlich nach dem Aufbringen der Decals erfolgen, um ein homogenes Gesamtbild der Lackierung zu erhalten. Des Weiteren empfiehlt es sich dringend, die bisher erfolgte Lackierung, durch eine Schicht Klarlack zu schützen. Dies ermöglicht eventuell, Fehler beim Verwittern rückgängig zu machen (unter Einsatz von purem Verdünner). 


Drybrushing  (Trockenmalen)

Das Drybrushing findet Anwendung an erhabenen Details und Strukturen (erhabene Nieten, Falten an Uniformen von Figuren, Gitterstrukturen etc.). Dabei wird der Pinsel nach der Farbaufnahme, auf einem Papierblatt (Tuch, Küchenrolle etc.) fast komplett trocken gewischt und anschließend über die zu bearbeitende Fläche geführt (nur darüber gleiten lassen). Der Sinn besteht darin, dass jetzt die Farbe nur noch an den erhabenen Strukturen und Details haften bleibt (sie werden dadurch betont). 


Pre-Shading  (Vor-schattieren)

Pre-Shading stellt eine spezielle Schattierungsmethode dar. Dabei werden schon vor der eigentlichen Lackierung, die Blechstöße und Strukturen stark mit Farbe betont. Anschließend wird die eigentliche Lackierung nicht deckend aufgetragen, sodass die Schattierung noch leicht durchschimmert. 


Washing

Das Washing ist eine sehr effektive Methode im Modellbau, um versenkte Strukturen/Details/Gravuren hervorzuheben oder Verschmutzungen darzustellen. Im Grunde genommen ist eine Washing-Lösung nichts anderes, als sehr stark verdünnte Farbe. Diese Lösung wird einfach in Gravuren oder versenkte Strukturen/Details laufen gelassen, um diese zu betonen. Des Weiteren kann man sie auch großflächig auftragen und nach einer kurzen Einwirkzeit, die überschüssige Farbe mit einem Wattestäbchen und etwas Verdünner wieder entfernen. Dies erzeugt realistische Verschmutzungs- und Alterungs-Spuren. Grundsätzlich sollte ein Washing immer auf halbmattem- oder glänzendem Untergrund aufgetragen werden (evtl. Klarlackauftrag).


Panel line Wash

Die meisten neueren Bausätze besitzen sehr feine Darstellungen von Blechstößen und Nietenreihen. Diese gilt es am fertigen Modell optisch hervorzuheben. Hierzu kann man Washing-Lösungen benutzen (selbst hergestellt oder fertig gekauft). Dabei wird das Washing in die Gravuren laufen gelassen und die überschüssige Farbe mit purem Verdünner, nach kurzer Trocknungszeit, wieder entfernt. Bei dieser Bemalungstechnik spricht man dann von einem "Panel Line Wash". (Für weitere Infos siehe auch Rubrik "Betonen von Gravuren")


Oktober, 2019