Decals (Nassschiebebilder)


Einleitung

Decals oder auch Nassschiebebilder genannt, sind in Modellbau-Foren oft ein großes Thema. Eigentlich wird nicht viel Werkzeug zum Anbringen auf das Modell benötigt. Im Grunde genommen reichen eine Schere, eine Pinzette und ein bisschen Wasser aus. Interessant wird es erst, wenn das Decal über Kanten oder Gravuren verlaufen soll. Auch muss die Oberfläche des Modells entsprechend vorbereitet werden, um ein späteres "Silbern" zu verhindern. Das sogenannte "Silbern" entsteht, wenn bei dem Aufbringen des Decals auf dem Modell, kleinste Luftbläschen unter dem Decal eingeschlossen werden. Der transparente Trägerfilm des Decals bekommt nach dem anschließenden Klarlackauftrag einen "silbrigen" Farbton. Dies lässt sich im Nachhinein auch nicht mehr beheben. Als negatives Beispiel kann mein Tornado F.3 1/72 dienen, zu finden in der Galerie.

Aus diesem Grund sollte man den Decals etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Schlecht aufgebrachte und "silbernde" Decals können die beste Lackierung am Schluss noch ruinieren.

Wie man Decals richtig verarbeitet und das "Silbern" verhindert, wird in der Rubrik "Tipps & Tricks" behandelt.

 


das Ausschneiden

Normalerweise genügt hier eine normale Schere. Problematisch wird es erst, wenn die Decals auf dem Trägerpapier sehr nahe beieinander liegen. Sollte der transparente Trägerfilm am Decal sehr dick ausfallen (öfters bei den Älteren der Fall), ist es auch ratsam den Rand bis zum Farbdruck zu entfernen. Für diese beiden Fälle gibt es spezielle Decal-Scheren im Fachhandel. Mit ihnen lassen sich Decals millimetergenau ausschneiden. Zusätzlich kann hier auch ein Skalpell behilflich sein.


Das anbringen

Hier genügt eine Schale mit lauwarmen Leitungswasser (ohne jegliche Zusatzstoffe) und ein paar Pinzetten völlig aus. Ein Zahnstocher ist beim Anbringen empfehlenswert. Mit ihm lässt sich das Decal schonend vom Trägerpapier auf das Modell schieben und richtig positionieren. Bei größeren Decals kann man mit einem Pinsel die Oberfläche des Modells leicht anfeuchten, um ein sofortiges Festkleben zu verhindern und das Ausrichten in die korrekte Position zu ermöglichen. 


Decal-weichmacher

Bei meinen früheren Modellen war mit dem einfachen Anbringen der Decals mit Wasser die Arbeit beendet und es wanderte in die Vitrine. Für den ambitionierten Modellbauer ist hier aber nur die halbe Arbeit geleistet. Das Decal liegt nicht sauber über Rundungen/Kanten an und es verdeckt wichtige Gravuren und Details. Um dieses Problem zu beseitigen, werden Decal-Weichmacher angeboten. Sie werden einfach mit einem Pinsel, nach dem Anbringen des Decals auf dem Modell, über das Decal gestrichen. Wichtig ist hier, dass das Aufbringen des Weichmachers relativ zeitnah geschieht. Nach dem Auftragen wartet man einfach kurz ab und lässt den Weichmacher wirken. Das Decal wird sich nun wie von "Geisterhand" selbstständig in jede Gravur und um jede Kante legen. Notfalls kann der Vorgang auch noch einmal wiederholt werden, falls das Decal etwas störrischer sein sollte. Unterstützen kann man das Ganze noch mit einem Pinsel, mit dem das Decal vorsichtig in die Gravuren gedrückt wird. Am Schluss wird überschüssiger Weichmacher einfach wieder mit einem Wattestäbchen oder etwas Küchenrolle aufgenommen. Sehr wichtig ist, dass das Decal danach mindestens 24 Stunden in Ruhe gelassen wird. Es ist nach der Behandlung sehr empfindlich (es bekommt eine Konsistenz wie Knetgummi) und könnte leicht (durch Fingernägel etc.) zerstört werden. Sollte das Decal nach dem Auftragen des Weichmachers Falten schlagen, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Die Falten lösen sich nach wenigen Stunden von alleine wieder auf und das Decal liegt sauber auf der Oberfläche an. Niemals sollte man versuchen die Falten herauszustreichen, da es in der Zerstörung des Decals enden könnte.

 

Weichmacher werden von verschiedenen Herstellern angeboten. Am einfachsten zu beziehen ist hier wieder das Produkt von Revell. Ich persönlich finde es hervorragend, auch wenn es viele Negativ-Kritiken über das Produkt gibt, es sei zu schwach. Aber genau diesen Kritikpunkt sehe ich als seine Stärke an. Es ist zwar oft notwendig das Decal mehrmals zu bestreichen, bis es sich in Gravuren legen will, aber ich behalte jederzeit die Kontrolle darüber, was das Decal gerade macht. Notfalls kann ich den Vorgang durch Aufnehmen des überschüssigen Weichmachers jederzeit beenden. Bis jetzt ist mir noch nie ein Decal durch "Revell Decal Soft" kaputt gegangen. Andere Produkte gehen da schon härter an das Decal ran. Hier kann es durchaus vorkommen, dass das Decal bei unvorsichtigem Einsatz des Weichmachers zerstört wird. Aber auch sie haben ihre Daseinsberechtigung, da einige Decals einfach nicht auf "Revell Decal Soft" reagieren wollen (siehe Baubericht F/A-18C 1/72 von Hasegawa). Jeder Decalbogen ist anders (dicker Druck, dünner Druck etc.) und reagiert dementsprechend anders auf die Weichmacher. Deshalb ist zu empfehlen, zuerst mit einem schwachen Weichmacher zu beginnen (z.B. Revell Decal Soft) und sollte das Decal nicht darauf reagieren, dann härtere Weichmacher einzusetzten (z.B. Mr.Mark Softer Neo oder Micro Sol). So lässt sich das Risiko minimieren, dass das Decal Schaden nimmt.

 

Des Weiteren gibt es noch Decal-Kleber auf dem Markt. Ich persönlich halte ihn für unnötig, da sich bei mir selbst nach Jahrzehnten, keine Decals vom Modell gelöst haben (trotz fehlendem Klarlacks und ohne Einsatz von Weichmacher). Natürlich sollte man möglichst niemals beim Hochheben der Modelle auf die Decals fassen oder am besten gleich Handschuhe tragen (schützt auch vor Fingerabdrücken auf der Lackierung).


Juli, 2017