Farben


Welche Farbtypen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Enamel- und Acryl-Farben. Die Enamel-Farben (eigentlich Alkydharzfarben) kennt wahrscheinlich jeder, der früher schon einmal mit Modellbau zu tun hatte. Es gab/gibt sie meistens in kleinen Blechdöschen (deren Deckel sich schwer wieder völlig verschließen lassen) und sind in Deutschland vorwiegend von Revell oder Humbrol in Umlauf. Der Vorteil ist ein sehr gutes Deckvermögen, eine gute Verfügbarkeit und nach dem Aushärten eine feste und widerstandsfähige Oberfläche. Großer Nachteil sind die enthaltenen Lösungsmittel, welche zu einer starken Geruchsbelästigung führen und nicht gerade "gesundheitsfördernd" sind. Auch fand ich es immer relativ schwer, sie so dünn mit dem Pinsel aufzutragen, dass eine ebene Fläche entsteht und keine Gravuren oder Details verloren gehen. Als Lösungsmittel werden oft Terpentinersatz oder Universalverdünner eingesetzt, obwohl jeder Hersteller seinen eigenen Verdünner anbietet.

 

Acryl-Farben sind noch nicht lange in größerem Umfang im Modellbau verbreitet, stehen aber den Enamel-Farben in nichts nach. Sie besitzen eine gutes Deckvermögen und hinterlassen nach dem Aushärten eine schöne, gleichmäßige und dünne Schicht. Auch werden sie mit Wasser oder Alkohol verdünnt, was die Geruchsbelästigung stark reduziert oder komplett verhindert. Des Weiteren werden sie meistens mit Schraubverschlüssen angeboten, welches das ständige und lästige Austrocknen der Farbtöpfe der Vergangenheit angehören lässt. Einziger Nachteil besteht in der höheren Empfindlichkeit der Oberfläche gegen mechanische Beanspruchung (höhere Kratzempfindlichkeit). 

 


Acryl-Farben im Detail

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen wasser-mischbaren Acryl-Farben und alkohol-mischbaren Acryl-Harz-Lacken. Das ist bedeutsam, da sie unterschiedlich auf diverse Lösungsmittel reagieren, zum Beispiel beim späteren Washing oder Filtern.

Auch sind nicht alle Farben gleich gut mit dem Pinsel oder per Airbrush zu verarbeiten. Aus diesem Grund gibt es auch nicht "die optimale Farbe" von einem Hersteller, mit der man beste Ergebnisse mit dem Pinsel und der Airbrush erzielt. Meistens ist die Farbe, welche gut mit dem Pinsel zu verarbeiten ist, schlecht zu sprühen und andersherum. Für welchen Hersteller man sich letztendlich entscheidet, ist Geschmackssache, da alle ihre Vor- und Nachteile haben. Ich beziehe grundsätzlich alle meine Farben von einigen wenigen Anbietern, da sich die Produkte nicht alle auf die gleiche Weise verarbeiten lassen und jedes seine Eigenarten besitzt. 

 


Vallejo Model Color

Definitiv eine der besten Acryl-Farben zum Pinseln auf dem Markt und die Auswahl von über 200 Farbtönen ist einfach überwältigend. Sie besitzen ein gutes Deckvermögen, sind sehr gut beim Trockenmalen und lassen sich dank des intelligenten Verschlusses genau dosieren. Auch sind die angebotenen Metallfarbtöne umfangreich und von sehr guter Qualität. 

Als Verdünner kann ohne Probleme gewöhnliches Leitungswasser genommen werden (besser ist destilliertes Wasser mit einem Tropfen Geschirrspülmittel), doch erzielt man mit dem hauseigenen "Vallejo Airbrush Thinner" die besten Ergebnisse. Leider sind die Farben nur bedingt per Airbrush verwendbar und eine größere Auswahl an Grau-Tönen wäre wünschenswert. Zwingend notwendig ist vor der Entnahme das Aufschütteln der Farbe und die Benutzung einer Mischpalette bietet sich an. Das Reinigen der Pinsel funktioniert ebenfalls am besten in destilliertem Wasser mit einem Tropfen Geschirrspülmittel drin.


Revell Aqua Color

Diese Acryl-Farben befinden sich noch nicht lange in meinem Sortiment und wurden bei mir bis jetzt nur mit dem Pinsel verarbeitet. Um meine Auswahl an Metallfarben zu erweitern, besorgte ich mir die Farbtöne Aluminium und Eisen, daher bezieht sich meine Erfahrung rein auf diese beiden Farben. Was erst einmal sehr kurios wirkt, sind die Farbbehälter. Ich musste erst einmal genauer hinschauen, um zu verstehen, wie sie geöffnet werden. Großer Nachteil ist, dass sich die Behälter schwer wieder luftdicht verschließen lassen und die Farben dann relativ schnell austrocknen (jedenfalls bei mir). Auch waren sie schon beim ersten Öffnen sehr dickflüssig, was ein starkes Verdünnen notwendig machte, um die Farben überhaupt streichfähig zu bekommen. Wenn sie aber erst einmal richtig verdünnt wurden, lassen sie sich hervorragend auftragen und besitzen ein sehr hohes Deckvermögen. Laut Fachpresse lassen sie sich auch gut per Airbrush verarbeiten. Weiterer großer Vorteil ist, dass der beste Verdünner und Reiniger ganz normales Leitungswasser ist (ich nutze auch hier destilliertes Wasser mit einem Tropfen Geschirrspülmittel). Da Revell wie üblich mehr auf Mischen setzt, beschränkt sich das angebotene Sortiment auf 88 Farbtöne.


Gunze-Sangyo / Mr.Hobby  -  Aqueous Hobby Color

Diese Acryl-Harz-Lacke sind die erste Wahl, wenn es um das Lackieren per Airbrush geht. Sie lassen sich hervorragend verarbeiten, liefern das perfekte Endergebnis und die Auswahl von über 160 Farbtönen, macht das Mischen eigentlich überflüssig. Leider sind sie nur schlecht mit dem Pinsel zu verwenden (mehr wie kleine Ausbesserungsarbeiten sind nicht drin). Die angebotenen Metallic-Farbtöne haben mich nicht ganz überzeugt. Für Modelle in "Naturmetall" haben andere Anbieter bezüglich Qualität und Sortiment die Nase vorn (z.B. Vallejo Metal Color). Hochwertig sind die Gläschen mit Schraubverschlüssen, da sie ein Austrocknen der Farben sehr gut verhindern. Am besten wird Isopropyl-Alkohol als Reiniger und Verdünner verwendet (erhältlich in Apotheken), wobei auch Spiritus funktionieren soll. Sehr zu empfehlen ist das Werkzeug zum Öffnen der Gläschen, da die Schraubverschlüsse die Angewohnheit haben leicht zu verkleben und sich dann das Öffnen mit den Händen sehr abenteuerlich gestaltet.  

Vorsicht ist beim Kauf geboten, da der Hersteller Enamel-Farb-Produkte mit einem ähnlichen Namen (Mr.Hobby - Mr.Color) vertreibt und eine Verwechslung schnell passiert ist (die Foren sind voll damit). 


Tamiya Color Acrylic Paint

Tamiya´s Acryl-Harz-Lacke lassen sich ebenfalls sehr gut per Airbrush verarbeiten und man erzielt beste Ergebnisse damit. Leider setzt Tamiya mehr auf Mischen und das Farbsortiment ist mit etwa 100 Farbtönen nicht ganz so umfangreich. Auch ergibt sich hier wieder die schlechte Verwendbarkeit mit dem Pinsel. Trotzdem bilden sie eine gute Ergänzung zu meinem Farbsortiment, da Farbtöne angeboten werden die Gunze so nicht im Programm hat. Schön sind auch die Schraubverschluss-Gläschen, welche sogar in unterschiedlichen Größen angeboten werden. Ebenfalls werden diese Farben am besten mit Isopropyl-Alkohol verdünnt oder alternativ mit Spiritus. 


Klarlacke

Tamiya und Gunze haben hier beide sehr gute Acryl-Harz-Lacke im Angebot. Einziger Unterschied besteht lediglich darin, dass Gunze keinen Halbmatt/Seidenmatt-Klarlack anbietet und im Vergleich zu Tamiya, der Matt-Klarlack deutlich matter ausfällt. Wie gewohnt, werden die Lacke mit Isopropyl-Alkohol verdünnt.


Klarsichtteile tönen  -  transparente farben

Eigentlich bietet hier jeder Hersteller ein gewisses Sortiment an transparenten Farben an. Da eine Airbrush zum Tönen von größeren Klarsichtteilen unabdingbar ist, entschied ich mich für Acryl-Harz-Lacke von Gunze. Auch wenn das Tönen von Cockpitscheiben leicht von der Hand geht, sollte es vorher unbedingt an einem Probestück geübt worden sein. Schlägt trotz allem die Lackierung fehl, dann lässt sich die Farbe wieder mühelos mit Isopropyl-Alkohol entfernen und ein neuer Versuch kann gestartet werden. Es ist absolut wichtig, dass die Farbe auf die Innenseite der Klarsichtteile aufgetragen wird. Auch sollte das Verdünnen mit Isopropyl-Alkohol auf das Minimum beschränkt werden, da sonst die Farbe milchig aushärten könnte.


Vallejo Metal Color

Mit diesen Metall-Acryl-Farben hat Vallejo ein Spitzenprodukt auf den Markt gebracht. Es werden 19 verschiedene Farben angeboten, darunter 6 verschiedene Aluminium-Töne und mehrere zum Kolorieren von Schubdüsen und Heißbereich-Teilen. Damit bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Zum Auftragen der Farben ist eine Airbrush unabdingbar. Auch werden sie spritzfertig geliefert, was zusätzliches Verdünnen meistens unnötig macht. Leider sind sie sehr anfällig für Kratzer, was eine gewisse Vorsicht mit der Handhabung von lackierten Teilen erfordert.

 

Zusätzlich zu den Farben wird "Vallejo Surface Primer" (Grundierung) benötigt. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, wird zusätzlich ein spezieller Klarlack empfohlen, wobei er bei bestimmten Anwendungen nicht zwingend notwendig ist (Schubdüse etc.). Sehr zu empfehlen ist der "Vallejo Airbrush Flow Improver" (Trocknungsverzögerer), da bei mir die Farbe schon öfters in der Düse antrocknete und die Airbrush dann extrem schnell anfing zu verstopfen oder zu spucken. Am Schluss wird die Airbrush mit gewöhnlichem Leitungswasser gereinigt (besser destilliertes Wasser mit einem Tropfen Geschirrspülmittel). Angetrocknete Farbreste können super mit "Vallejo Airbrush Thinner" entfernt werden.


Vallejo Model Wash

Hierbei handelt es sich um verbrauchsfertige Washing-Lösungen auf Acryl-Basis, welche in 18 verschiedenen Farbtönen angeboten werden. Sie lassen sich sehr gut verarbeiten und man kann sie mit gewöhnlichem Leitungswasser (besser destilliertes Wasser mit einem Tropfen Geschirrspülmittel), nach eigenem Belieben, weiter verdünnen. Hier sollte als Verdünner definitiv kein "Vallejo Airbrush Thinner" benutzt werden, da es die vorher mit "Vallejo Model Color" lackierten Flächen angreift und sich die Farbe dann unter Umständen ablösen könnte (Gunze und Tamiya Acryl-Harz-Lacke werden nicht so schnell angegriffen).

 

Vorsicht ist geboten beim Hervorheben von Blechstößen auf mit "Vallejo Metal Color" lackierten Flächen. Das anschließende Entfernen der überschüssigen Farbe mit Verdünner (es funktioniert nur "Vallejo Airbrush Thinner", da die Farbe relativ schnell trocknet), endet zwangsläufig in der kompletten Zerstörung der Lackierung. Hier muss vorher unbedingt eine Schicht Acryl-Harz-Klarlack (Gunze oder Tamiya) auf die mit "Vallejo Metal Color" lackierte Fläche aufgetragen werden (siehe auch "Tipps und Tricks" Rubrik "Betonen von Gravuren").


Vallejo Weathering Effects

Die "Vallejo Weathering Effects" befinden sich noch nicht lange auf dem Markt. Sie bestehen aus 28 Produkten auf Acryl-Basis um Verschmutzungs-, Alterungs- und Verwitterungs-Effekte realistisch darzustellen. Meine Erfahrungen beschränken sich lediglich auf drei Farben des "Engine Effects" (Oil Stains, Fuel Stains, Engine Grime). Sie können sehr gut mit dem Pinsel verarbeitet werden und sind verbrauchsfertig. Aufpassen sollte man wenn sie als Washing genutzt werden, da die Lösungsmittel innerhalb kurzer Zeit die fertige Acryl-Lackierung angreifen (egal ob Gunze, Tamiya oder Vallejo). Deshalb sollten überschüssige Farbmengen auf dem Modell sofort mit einem Wattestäbchen aufgenommen werden (nicht reiben), um die Verweildauer auf der fertigen Lackierung so kurz wie möglich zu halten.  


April, 2018