Gravieren


Einleitung

Egal wie vorausschauend und sauber man baut oder wie oft man das Schleifen und Spachteln vermeidet, irgendwann kommt man in die Situation, in der Gravuren nachgezogen werden müssen. Manchmal liegt es auch einfach an den schlechten Bausätzen, welche schon so verwaschene Gravuren aufweisen, dass sie kaum zu erkennen sind. Hier müssen wir dann zwangsläufig mit entsprechendem Werkzeug ran.

 

Zur Königsdisziplin gehört das komplette Neuerstellen der Gravierung. Es gibt noch genügend Bausätze auf dem Markt, welche erhabene Blechstöße aufweisen. Hier kann man Abhilfe schaffen, indem die Erhebungen entfernt und durch versenkte Gravuren ersetzt werden. Dies erfordert viel Erfahrung, Geduld und Zeit und sollte gut überlegt sein. Oft ist es ratsamer, einen neuen Bausatz zu kaufen, welcher schon "Out of Box" versenkte Blechstöße aufweist.

Manchmal gibt es aber auch keinen aktuellen Ersatz (z.B. Mirage IV  1/48 von Heller). Hier müssen wir wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und gravieren.

 

Wichtig ist auf jeden Fall, das Gravieren ausreichend an einem Probeteil zu üben, bevor man es am Modell anwendet. Fehlerhafte Gravuren müssen mühsam mit Spachtelmasse verschlossen und anschließend verschliffen werden und ziehen das Gravieren nur unnötig in die Länge.


Gravierwerkzeug

Hier gibt es interessante Produkte auf dem Markt. Bei diesen Werkzeugen gilt eher die Devise: "Probieren geht über Studieren". Jeder kommt mit ihnen unterschiedlich zurecht, daher ist hier eine Empfehlung sehr schwer. Ich persönlich finde das Gravierwerkzeug von Tamiya absolute Spitze und möchte es nicht mehr missen. Andere Modellbauer schwören auf das von Trumpeter, mit dessen Werkzeug ich überhaupt nicht klarkomme.

 

Als Ergänzung zu den üblichen Werkzeugen der Hersteller, können auch Graviernadeln in allen möglichen Variationen dienen. In meinen Augen sind sie oft zu breit und nicht geeignet, um Gravuren komplett von null zu erstellen. Beim Vergrößern und Verbreitern vorhandener Gravuren machen sie sich aber bestens. Wichtig ist, dass die Spitzen auch wirklich spitz und die auslaufenden Kanten scharf sind (ich musste alle Graviernadeln mit einer Diamantfeile erst einmal richtig schärfen).


Hilfsmittel

Zusätzlich zu den üblichen Gravierwerkzeugen, benötigen wir noch ein paar Hilfsmittel, damit eine Gravierung auch wirklich gelingt. Hierzu zählen in erster Linie Schablonen und Lineale. Es sei denn, man möchte eine perfekte gerade Linie freihändig gravieren (viel Spaß beim Versuch). Als sehr nützlich hat sich Fühlerlehren-Band erwiesen (Stärke ca. 0,05 mm). Es wirkt wie ein sehr flexibles Stahllineal und lässt sich super über Rundungen legen (Rumpf etc.).

 

Ein weiteres nützliches Werkzeug, um erhabene Blechstöße ohne Schleifen zu entfernen, ist ein spezieller Schaber. Dieses Werkzeug ist echt genial und erhabene Gravuren sind in Rekordzeit entfernt. Ein weiterer Vorteil neben dem Zeitfaktor ist, dass wirklich nur die erhabenen Gravuren entfernt werden und die umliegenden Flächen völlig unberührt bleiben (beim üblichen Wegschleifen wird zwangsläufig immer etwas mehr Material weggenommen).


Juli, 2017