Kleber


Der "Standardkleber"

Ohne ihn geht eigentlich gar nichts im Modellbau (ich sage eigentlich, da ein Kollege von mir mit Nitro-Verdünner klebt). Normalerweise landet mit dem ersten Bausatz auch ein Fläschchen Plastikkleber im Einkaufskorb. Erhältlich ist er von sehr vielen Herstellern (Revell, Tamiya, Faller, Pattex, UHU etc.), wobei der Revell-Kleber wahrscheinlich am geläufigsten ist. Ich glaube, jeder Modellbauer in Deutschland hat schon mindestens einmal Erfahrungen mit Kleber von Revell gemacht. Er ist sehr einfach zu beziehen und wahrscheinlich hat jeder Modellbau-Shop in Deutschland ihn im Sortiment.

Aber egal, für welchen Hersteller man sich letztendlich entscheidet, wichtig ist, dass der Kleber für Polystyrol-Kunststoffe geeignet ist (daraus bestehen die meisten Bausätze). Es gibt auch Kleber für andere Kunststoff-Arten im Handel, daher erwähne ich es an dieser Stelle.

 

Die Verklebung selbst funktioniert aber nach einem etwas anderen Prinzip, als wir es vielleicht aus Kindheitstagen mit dem Klebestift gewohnt sind. Klebestifte oder Sekundenkleber funktionieren nämlich nach dem Prinzip der Oberflächenverklebung, d.h. zwischen den zu klebenden Medien befindet sich eine Schicht Kleber, welcher diese zusammenhält (der Klebstoff haftet an der Oberfläche durch physikalische Wechselwirkung, auch Adhäsion genannt). Unser Modellbau-Kleber hingegen löst eine chemische Reaktion aus, welcher die zu klebenden Oberflächen verflüssigt und beim Zusammenfügen eine Art Verschweißung bewirkt. Diese kann unter Umständen so fest werden, dass das Bauteil eher woanders bricht als an der Klebestelle. Daher ist es sehr wichtig, dass wir uns Gedanken machen, bevor wir etwas endgültig zusammenkleben. Ein zerstörungsfreies Lösen der Klebeverbindung kann sich eventuell später als schier unmöglich erweisen.

Auch ist es notwendig, dass die Klebestellen frei von Farbe sind, da sonst der oben erwähnte Verschweißungs-Effekt nicht eintreten kann.

 

Die stabilste Verbindung erhält, indem man beide zu verklebenden Oberflächen dünn mit Klebstoff benetzt, zwei bis drei Sekunden den Kleber wirken lässt und anschließend beide Teile fest zusammenpresst. Jetzt hat man noch ein wenig die Möglichkeit zur Korrektur der Position des Bauteiles. An dieser Stelle sollte man darauf achten, dass sich das Bauteil nach dem Loslassen nicht doch noch in irgendeine Richtung verstellt. Ich kann es nicht mehr zählen, bei wie vielen Modellen ich in meiner Kindheit das Fahrwerk, Tragflächen, Höhenleitwerk oder Pylone symmetrisch korrekt angeklebt hatte und aufgrund von Ungeduld beziehungsweise mangelnder Erfahrung nicht mitbekam, wie sich das Bauteil langsam durch die Schwerkraft verstellte. Das Ergebnis kann man sich ja vorstellen.

 

Der Nachteil, wenn man auf beide zu klebenden Oberflächen Klebstoff aufbringt, ist, dass sich der überschüssige Kleber als "Wurst" herausdrückt, was oft nicht gewünscht ist (ich denke da zum Beispiel an fertig lackierte Teile). Daher ist in vielen Fällen ein einseitiges Auftragen des Klebstoffes ratsamer. Dagegen kann man sich den Effekt des herausquellenden Klebers zunutze machen, wenn man sich das eventuelle spätere Spachteln sparen möchte. Der überschüssige Klebstoff lässt sich super abschleifen und die Fugen sind perfekt geschlossen.  

 

Die meisten Modellbau-Kleber werden heute als Pinselkleber oder mit einer Kanüle angeboten. Ich erinnere mich noch gut an den Tubenkleber von Revell, mit dem man Fäden quer über den Basteltisch ziehen konnte - einfach nur schrecklich. Ich favorisiere den Pinselkleber. Die Kanülen-Kleber haben (bei mir jedenfalls) oft die Angewohnheit, relativ schnell zu verstopfen und damit wird der Kleber dann automatisch unbrauchbar. Aus diesem Grund verschwinden sie auch allmählich aus meinem Sortiment. Auch hat sich bei mir der Pinselkleber von Tamiya durchgesetzt. Vom Gefühl her ist er etwas stärker als der von Revell. Auch lässt er sich meiner Meinung nach etwas besser dosieren, da der Schaft am Pinsel kürzer ist und weniger Klebstoff nachlaufen kann. Des weiteren ist die Standfestigkeit des Behältnisses bei Tamiya definitiv besser. Spätestens, als Revell die Glas- durch Kunststoff-Fläschchen getauscht hat, ist es prädestiniert dafür, ständig umzufallen. Hier sollte Revell nachbessern.

 


Tamiya Extra Thin Cement

Hierbei handelt es sich, von der Konsistenz her gesehen, um einen ultra-dünnen Kunststoff-Pinselkleber. Er eignet sich ideal, um schmale Fugen zu verschließen, da er nahezu perfekt in jede Spalte läuft. Sollte mal etwas daneben laufen, trocknet er so dünn aus, dass keinerlei Gravuren oder Details verloren gehen oder gar ein "Step" entsteht. Meiner Meinung nach stellt er ein absolutes "must have" dar und gehört auf jeden Basteltisch.


Revell Contacta Clear

Hierbei handelt es sich um einen reinen Klarteil-Kleber, d.h. als "normaler" Kunststoff-Kleber ist er völlig ungeeignet. Der große Vorteil liegt an der völlig transparenten Aushärtung. Ich habe ihn an einem Probe-Klarsichtteil getestet und bin vom Ergebnis absolut begeistert. Nach dem Aushärten ist er wirklich glasklar. Dabei sollte man wissen, dass "normaler" Kunststoff-Kleber bei Klarteilen die Klebestelle eintrübt, welches oft nicht erwünscht ist. Großer Nachteil ist die sehr schwache Klebekraft. Bei meinen Versuchen hatte ich ein Klarsichtteil im 90°-Winkel auf ein anderes geklebt, um die Klebekraft zu testen und naja, viel Kraft war nicht notwendig, um sie wieder zu trennen. Trotzdem hat er definitiv seine Daseins-Berechtigung auf dem Basteltisch. Die meisten Klarsichtteile klebe ich weiterhin mit dem "Standardkleber" ein (aus Stabilitätsgründen). Da sich aber immer noch genügend Bausätze auf dem Markt befinden, in denen Klarteile ohne Rahmen enthalten sind, ist er eigentlich unverzichtbar.


Sekundenkleber

Über die Eigenschaften muss nicht viel erklärt werden, jeder kennt ihn. Er klebt fast alles, mit Vorliebe Fingerkuppen, innerhalb von Sekunden zusammen. Es hat relativ lange gedauert, bis er Einzug auf meinen Basteltisch gehalten hat. Normalerweise ist es ohne Sekundenkleber kein Problem, einen Bausatz (ohne Resin- oder Fotoätz-Teile) zu vollenden. Er macht beim Basteln aber vieles einfacher. Man kann ihn sehr vielseitig einsetzen (nicht nur, um Finger zusammenzukleben), daher sollte er nicht unerwähnt bleiben. Die genauen Einsatzbereiche werden in den jeweiligen Kapiteln gesondert erklärt, daher werde ich hier darauf verzichten. Sehr wichtig ist auf jeden Fall, dass man niemals Klarsichtteile mit Sekundenkleber befestigt, da die Lösungsmitteldämpfe die Klarteile trüben können (weißer Schleier). Diese frustrierende Erfahrung mussten schon viele Modellbauer machen und wahrscheinlich hätte jeder gerne darauf verzichtet.


Juli, 2017