Schleifen, Spachteln & Polieren


Schleifen

Eine der weniger geliebten Arbeiten vieler Modellbauer, inklusive mir. Meistens kommt bei mir, beim Verschleifen des Rumpfes, die Arbeit zum erliegen und die Unlust packt mich. Bis jetzt konnte ich mich nach ein paar Tagen immer wieder aufraffen und habe es dann in etlichen (langweiligen) Stunden durchgezogen.

 

Bei den Schleifwerkzeugen sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt (Schleifpapier, Nagelfeilen, Stahlfeilen, umgebaute elektrische Zahnbürsten, Druckluft-Schleifgeräte etc.). Alles was zum Ziel führt ist erlaubt. Bedenken sollte man aber, dass, je gröber das Werkzeug ist, desto länger benötigt man dafür, die Fläche wieder glatt zu bekommen. Die Lackierung deckt am Schluss jede Unebenheit und jeden Kratzer auf. Deshalb ist hier gründliches Arbeiten absolute Pflicht. Des Weiteren erhöht jeder Schleifvorgang das Risiko, dass wichtige Gravuren und Details verloren gehen, welche manchmal nicht so einfach wiederhergestellt werden können. Aus diesem Grund sollte man schon beim Zusammenbau so viel Sorgfalt walten lassen, dass das Schleifen auf ein Minimum reduziert wird. 

 

Als sehr gutes Werkzeug haben sich bei vielen Modellbauern Nagelfeilen (Sandpapier-Feilen) durchgesetzt. Sie sind eigentlich überall erhältlich (Supermarkt, Drogerie, Internet-Versandhäuser etc.) und es gibt sie in den unterschiedlichsten Körnungen. Für grobe Arbeiten empfiehlt sich ein Satz Schlüsselfeilen. An engen Stellen hat mir auch einfaches Schleifpapier schon gute Dienste erwiesen. Ein paar alte Pinsel helfen, das Modell und das Werkzeug von Schleifstaub zu befreien. Um feinste Gravuren und Details zu reinigen, kann auch eine Zahnbürste sehr nützlich sein.  


Spachteln

Was das Spachteln angeht, verfüge ich nicht gerade über umfangreiches Wissen. Das einzige Modell, bei dem ich im größeren Umfang spachteln musste, war der Tornado F.3 von Tamiya (die komplette vordere rechte Rumpfseite besteht aus Spachtelmasse). Eigentlich ist bei Spalten bis 1mm keine Spachtelmasse notwendig. Sie lassen sich super mit Plastikkleber oder Sekundenkleber verschließen und anschließend verschleifen. Der Sekundenkleber ist hierfür besonders gut geeignet, da er sehr hart aushärtet, beim Trocknen kaum schrumpft und sich sehr gut schleifen lässt. Zum genauen Dosieren des Klebers kann ein Zahnstocher behilflich sein. Bei größeren Spalten oder Flächen kommt man um das Spachteln leider nicht herum. Hierfür gibt es ein umfangreiches Angebot an Produkten auf dem Markt. Wichtig ist, mit der Spachtelmasse sparsam umzugehen, um wichtige Gravuren und Details bestmöglich zu erhalten.

 

Ich persönlich habe bis jetzt nur Spachtelmasse von Revell benutzt. Sie muss relativ schnell verarbeitet werden, da sie schnell trocknet. Aufgrund der enthaltenen Lösungsmittel, verbindet sie sich fest mit der Oberfläche und lässt sich anschließend gut schleifen und gravieren. Wenn gewünscht, lässt sich die Spachtelmasse noch mit Nitroverdünnung weiter verdünnen (manche Modellbauer nutzen hierfür auch Plastikkleber).

Vallejo dagegen bietet Spachtelmasse auf Wasserbasis an. Nachteil ist hier, aufgrund der fehlenden Lösungsmittel, dass sie sich schlecht mit dem Untergrund verbindet. Dafür lässt sie sich aber mit einfachem Leitungswasser weiter verdünnen und gestaltet damit die Arbeit geruchsneutral.

 

Als Alternative zum Spachteln, kann auch zum Verschließen von größeren Spalten und Öffnungen, Plastik-Sheet  oder gezogener Gussast benutzt werden. Gezogenen Gussast erhält man, indem man Stücke aus dem Gussast-Rahmen der Modelle rausschneidet und über einer Wärmequelle ( Kerze, Feuerzeug etc.) auseinanderzieht.   


Polieren

Diese Rubrik bezieht sich mehr auf das Polieren von Klarsichtteilen. Es gibt leider immer noch genügend Bausätze, welche auf der Cockpithaube einen produktionsbedingten Grat aufweisen. Auch werden die Klarsichtteile nicht immer separat verpackt, was nicht selten zu starker Verkratzung führt. Hier sind wir wohl oder übel gezwungen, auch Klarsichtteile zu schleifen. Normale Modellbauteile werden nach dem Schleifen einfach mit sehr feinem Schleifpapier oder einer Sandpapier-Polierfeile geglättet. Bei Klarsichtteilen ist dies nicht möglich, da das Bauteil dadurch "blind" werden würde. Hier müssen wir nach dem Schleifen auf Polierpasten zurückgreifen, um wieder einen klaren Durchblick zu erhalten. 

 

Ich nutze hierfür immer die Polierpasten von Tamiya. Sie lassen sich hervorragend verarbeiten und liefern ein super Ergebnis. Angeboten werden sie in drei verschiedenen Körnungen, wobei für kleine Kratzer die Körnung "Finish" ausreichend ist. Zum Auftragen nutze ich Poliertücher aus dem KFZ-Bereich. Wichtig ist, dass zwischen jedem Wechsel der Körnung, das Bauteil gründlich mit Alkohol gereinigt wird. Ansonsten kann sich das Polieren zu einer "Never Ending Story" entwickeln, da die Reste der vorherigen Körnung permanent das Klarsichtteil verkratzen.


Juli, 2017